BILDUNGSPOLITIK : Mehr Lehrer, bessere Planung

Ideen für bessere Schulen: Experten empfehlen Stellenausschreibungen vorzuziehen, damit die Schulen handlungsfähig werden.

Susanne Vieth-Entus
Schule
Schule: Lernen fürs Leben.Foto: ddp

Die chaotischen Zustände zum Schuljahreswechsel mitsamt Lehrermangel lassen sich vermeiden – das ist die Überzeugung einer Expertengruppe, die gestern im Auftrag von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) ihre Empfehlungen für eine bessere Personalplanung veröffentlicht hat. Sie plädiert dafür, die Stellenausschreibungen vorzuziehen, damit junge Lehrer früher wissen, ob sie eine Chance haben, und damit Schulen besser planen können.

Um Referendare und andere gute Lehrer behalten zu können, auch wenn man rein rechnerisch etwas zu viel Personal hat, sollen die Schulen mehr Flexibilität bekommen. Künftig sollen sie nicht mehr zu jedem neuen Schuljahr gezwungen werden, Überhangkräfte abzugeben. Stattdessen darf der „Ausgleich zwischen Bestand und Bedarf“ auf drei Jahre gestreckt werden.

Eine weitere Flexibilisierung soll dadurch erreicht werden, dass Schulen – auf freiwilliger Basis – einen größeren Teil ihres Personalbudgets ausbezahlt bekommen. Bisher bekommen sie nur die dreiprozentige Vertretungsreserve in Geldmitteln zur Verfügung gestellt. Zudem wollen die Experten, dass die Schulen bei Einstellungen und bei Umsetzungen ihr Personal selbstständig auswählen können und nicht mehr hilflos abwarten müssen, welche Lehrer ihnen „von oben“ zugeteilt werden.

Zöllner unterstützt all diese Vorschläge ausdrücklich. „Je eher und je einfacher die Berliner Schulen sich passende Lehrkräfte suchen können, desto größer ist die Chance, dass wir die besten Lehramtsabsolventen in Berlin halten können“, sagte er gestern. Der Senator will jetzt eine verwaltungsinterne Projektgruppe damit beauftragen, das Personalmanagement bereits zum Schuljahr 2008/09 zu beschleunigen und dabei die Empfehlungen der Experten „soweit wie möglich zu berücksichtigen“.

Tatsächlich dürfte es nicht so einfach sein, die Empfehlungen in der Schublade verschwinden zu lassen. Denn die Expertengruppe war mit dem Essener Bildungswissenschaftler Klaus Klemm als Leiter prominent besetzt und hat auch einigen Rückhalt in der Stadt, weil angesehene Schulleiter wie Wolfgang Harnischfeger (Beethoven-Gymnasium), Bernd Roman (Oberstufenzentrum Banken und Versicherungen) sowie Jochen Pfeiffer (John-Lennon-Gymnasium) als Mitglieder ebenso dabei waren wie Landeselternsprecher André Schindler.

Die Fachleute haben sich aber nicht damit begnügt, Tipps für einen reibungsloseren Schuljahreswechsel zu geben. Sie äußerten sich auch zu weiteren Themen. So schlagen sie vor, die Arbeit unter den Kollegen gerechter zu verteilen und sich dabei an Hamburg zu orientieren, wo es schon ein entsprechendes Modell gibt, dass nicht mehr die Wochen-, sondern die Jahresarbeitszeit zugrunde legt. Dabei wird es auch eine Rolle spielen, ob jemand Deutsch oder Sport unterrichtet. Obwohl einige Vorschläge nicht kostenneutral sind, dürfte die Zustimmung des Finanzsenators kein Problem werden, weil auch ein hoher Beamter seiner Verwaltung in der Projektgruppe mitgearbeitet hat.

Die FDP äußerte sich erfreut über das Vorhaben, die Stellenbesetzungen vorzuziehen. Das habe sie unlängst im Schulausschuss gefordert, aber SPD und Linke hätten dagegen gestimmt, berichtete Bildungspolitikerin Mieke Senftleben.

Der vollständige Bericht ist zu finden unter www.berlin.de/sen/bildung/bildungspolitik

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