Bildungssystem : Finanzierung der Schulreform steht

Der Senat gibt 22,6 Millionen Euro jährlich für Ganztagsbetrieb und bessere Förderung. Haupt-, Real- und Gesamtschule können damit ab dem nächsten Jahr zur neuen Sekundarschule verschmelzt werden.

Susanne Vieth-Entus

BerlinAuf dem Weg zur grundlegenden Reform des Berliner Schulsystems ist eine entscheidende Hürde genommen worden: Der Senat stimmte am Dienstag dem Finanzpaket zu, das alle zusätzlichen Ausgaben für die Einführung der Sekundarschule enthält. Falls das Abgeordnetenhaus die Entscheidung mitträgt, kann im Sommer 2010 mit der Verschmelzung der Haupt-, Real- und Gesamtschulen zur neuen Sekundarschule begonnen werden. Damit sei „das Tor aufgestoßen zu einer zukunftsträchtigen Berliner Schulstruktur“, würdigte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) die Entscheidung.

Wie berichtet war die finanzielle Ausstattung der neuen Schulform bis zuletzt umstritten. Letztlich konnte Zöllner jährliche personelle Mehrausgaben in Höhe von 22,6 Millionen Euro durchsetzen. Darin enthalten sind die Kosten für den Ganztagsbetrieb mit Sozialarbeitern und Erziehern. Das allein macht 14 Millionen Euro aus. Die Schule können bei der Gestaltung des Betreuungsprogramms mit freien Trägern zusammenarbeiten. Die Lehrer der Sekundarschulen sollen 26 Unterrichtsstunden geben statt 27 wie an Real- und Hauptschulen.

Kostenrelevant ist auch die Klassenfrequenz: Sie wurde auf 25 Schüler festgelegt und liegt damit zwischen Hauptschulen (rund 18 Schüler) und Gymnasien (rund 32 Schüler). Zöllner betonte, er habe „heftig dafür gekämpft“ und sei „sehr stolz“ darauf, dass benachteiligte Schüler besser als bisher unterstützt werden könnten: Wer Defizite in der deutschen Sprache hat oder aus einer Familie stammt, die staatliche Zuwendungen erhält, bekommt eine zusätzliche Förderung.

Jede Sekundarschule muss Angebote bis 16 Uhr vorhalten. Ob Schüler schon gegen 14 Uhr gehen können, soll jede Schule selbst festlegen. Ebenso liegt im Ermessen der jeweiligen Sekundarschule, ob sie Schüler je nach Leistungsfähigkeit trennt oder alle zusammen unterrichtet.

Generell soll es allen Sekundarschulen möglich sein, den Schülern einen nur zwölfjährigen Weg zum Abitur offen zu halten. Wie berichtet, sollen sie in den Hauptfächern ebenso viel Unterricht haben wie in den Klassen 7 bis 10 an den Gymnasien. Dadurch soll die Vergleichbarkeit und Durchlässigkeit der beiden Schulformen abgesichert werden. In anderen Fächern wird es aber Abstriche geben, weil der zwölfjährige Weg zum Abitur an den Sekundarschulen eher die Ausnahme sein wird: Ein „Turbo-Stundenplan“ ist daher für sie nicht nötig.

Zöllner rechnet damit, dass von den rund 150 Standorten der Haupt-, Real- und Gesamtschulen rund 20 aufgegeben werden müssen: Kleine Schulen mit nur zwei Klassen pro Jahrgang sind nicht erwünscht, weil Zöllner eine große Bandbreite von Schülern anstrebt, um an jedem Standort alle Schulabschlüsse vergeben zu können. Nur ausnahmsweise will Zöllner dreizügige Schule genehmigen; die Regel sollen vier Parallelklassen sein.

Wenn es zu wenig Schüler für eine gymnasiale Oberstufe gibt, sollen Kooperationen mit Oberstufenzentren angestrebt werden: Dort könnten die Sekundarschüler dann ihr Abitur anlegen. Leistungsschwächere Schüler sollen frühzeitig Angebote im beruflichen Bereich bekommen. Die Schulen werden deshalb mit Betrieben kooperieren. Handwerkskammer und IHK unterstützten die Strukturreform „ausdrücklich“, betonte Zöllner.

Noch nicht entschieden haben SPD und Linkspartei, wie der Zugang zum Gymnasium geregelt werden soll. Da es ausschließlich in zwölf Jahren zum Abitur führen soll, wird erwogen, ungeeignete Schüler gar nicht erst zuzulassen. Diese Frage will Zöllner heute mit Wissenschaftlern, Schulleitern und Elternvertretern diskutierten.

Die Fachtagung zum Übergang an die Gymnasien findet am heutigen Mittwoch von 18 bis 21 Uhr in der Max-Taut-Schule, Fischerstraße 36 in Lichtenberg statt.

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