Charité : Fassaden-Streit

Es ist weithin sichtbar: das Riesenwerbeplakat am Bettenhochhaus der Charité. Nur rechtmäßig ist es nicht mehr. Mittes Baustadtrat Gothe wirft der Charité vor, ohne Genehmigung mit Großplakaten zu werben.

Die Genehmigung für das Großplakat sei bereits am 31. Januar 2008 abgelaufen, sagte der Baustadtrat Mittes, Ephraim Gothe (SPD). Normalerweise bedarf es für Baugerüstewerbung keiner Genehmigung des Bezirksamts, wenn unter Gerüst und Werbung gebaut wird. Anders ist das bei denkmalgeschützten Bauten – etwa dem Bettenhochhaus der Charité. Hier wird automatisch eine denkmalrechtliche Genehmigung erteilt, wenn tatsächlich gebaut wird. „Nun wissen wir aber, dass hinter dem Gerüst nicht gebaut wird, deshalb darf auch keine Werbung gemacht werden“, sagte Gothe.

Die denkmalrechtliche Genehmigung war zum 31. Januar abgelaufen. Aus diesem Grund blieb das 21-stöckige Gebäude im März auch ohne Werbung. Für den 1. April hatte die Charité nach Angaben des Bezirksamtes eine neue Genehmigung beantragt, die das Amt aber ablehnte. Werbung hängt seitdem trotzdem wieder. Gothe habe schon mehrere Briefe an die Charité geschrieben, sagt er. Getan habe sich bisher nichts. Die Charité war vor Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme in dieser Sache zu erreichen. Die Werbeplakate – Fläche insgesamt 4200 Quadratmeter – sollen einen Teil der Sanierungsarbeiten finanzieren.

Beschwerden gegen die Werbung gab es immer wieder: Patienten der Psychosomatischen Abteilung im Bettenhochhaus der Charité fühlten sich wie hinter „einem Nebelschleier“, berichteten sie der Patientenbeauftragten Karin Stözner. Seit Anfang 2007 bedecken riesige Werbeplakate die Süd- und Westfassade des Bettenhochhauses an der Luisenstraße – und diese werden zudem von fünf bis 23 Uhr angestrahlt. Stötzner machte sich vor kurzem selbst ein Bild von der Situation und besuchte die betreffenden Stationen im Bettenhochhaus. Das Problem der Patienten dort sei allerdings nicht nur der Grauschleier, der durch den veränderten Lichteinfall tagsüber entstehe, sondern vor allem das Anleuchten in der Nacht. „Viele Patienten fühlen sich wie hinter verdreckten Fenstern, sagen sie. Aber wahnsinnig störend für alle ist das Licht, weil sie nachts natürlich schlafen wollen“, sagt Stözner. Lichtschutzvorhänge seien bestellt, versicherte eine Charité-Sprecherin.

Das Bettenhochhaus würde Teile seiner Fassade verlieren, das Gerüst diene daher zur besseren Abstützung, hatte Charité-Sprecherin Kerstin Endele früher gesagt. Eigentlich hätte mit der Sanierung schon 2007 begonnen werden sollen. Doch weil der Senat die Mittel dafür noch nicht freigegeben habe, ruhe das Bauvorhaben derzeit, sagt Endele. höh/liv

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