Charlottenburg : City-West testet Gratisservice gegen Graffiti

Eine Firma will ein Jahr lang kostenlos Schmierereien am Lietzensee beseitigen und darf dafür an den denkmalgeschützten Kaskaden für sich werben. Ein Modell mit Zukunft?

Cay Dobberke
Lietzensee
Auf neuen Wegen. Schmierereien an den Kaskaden am Lietzensee sollen künftig innerhalb von 24 Stunden beseitigt werden. -Foto: Thilo Rückeis

Im Kampf gegen Graffiti startet in der Berliner City-West jetzt ein Pilotprojekt: Ein Fachbetrieb beseitigt ein Jahr gratis alle Schmierereien von den denkmalgeschützten Kaskaden am Charlottenburger Lietzensee. Das Bezirksamt hat als Gegenleistung ein Schild installiert, das auf die „großzügige, kostenlose Unterstützung der Graffiti Frei GmbH“ hinweist – und will Anfang 2009 entscheiden, ob die Dienste der Firma kostenpflichtig weiter in Anspruch genommen werden. Für Anwohner des Lietzensees gibt es eine Servicerufnummer (Telefon: 29 36 50), unter der sie Schmierereien melden können. Diese sollen dann innerhalb von 24 Stunden beseitigt werden.

Die kurze Frist sei psychologisch wichtig, sagte Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) am Montag. Graffiti-Sprayern gehe es darum, ihr Revier zu markieren. Das Erfolgserlebnis bleibe aber aus, wenn die Graffiti schnell entfernt werden. Auch Klaus Döring vom Bürgerverein Lietzensee meint, die Jugend wolle „Zeichen setzen“. Deshalb seien die rund 100 Vereinsmitglieder „ständig hinterher“, um die Gegend sauber zu halten und Vandalismusschäden zu beseitigen.

Die Zahl der Graffiti-Schmierereien in Berlin steige immer noch, schätzt der Geschäftsführer der Graffiti Frei GmbH, Gerald Schramm. Von einer „Stagnation auf hohem Niveau“ spricht Heinrich Bücker-Gärtner vom Anti-Graffiti-Verein „Noffiti“. Die Polizei hat ihre Kriminalstatistik für 2007 noch nicht veröffentlicht, laut einem Sprecher dürfte die Zahl der Taten aber „in etwa dieselbe Größenordnung wie 2006“ erreichen. Damals wurde in 20 000 Fällen wegen Graffiti ermittelt.

Der BVG entstehen jährlich etwa acht Millionen Euro Schaden durch Vandalismus aller Art. In U-Bahnhöfen und an Bushaltestellen kam es auch zu Dutzenden Sachbeschädigungen mit gefährlicher Flusssäure. Die Berliner S-Bahn gibt jährlich rund 5,6 Millionen Euro aus, um Schäden durch Graffiti, zerkratzte Scheiben und zerschnittene Polster zu reparieren. Bei der Wohnungsbaugesellschaft Degewo, die 70 000 Wohnungen besitzt, kostete die Graffitibeseitigung 2007 rund 400 000 Euro. „Unsere Hausmeister müssen Schmierereien sofort beseitigen“, sagt Sprecherin Erika Kröber.

Die Lietzensee-Kaskaden waren Ende 2006 mit Geldern der Stiftung Denkmalschutz Berlin saniert worden – nur fünf Monate später wurden sie beschmiert. Der Schaden betrug 1000 Euro; die Täter blieben unbekannt, obwohl das Bezirksamt eine Belohnung für Hinweise ausgesetzt hatte. Inzwischen sind Graffiti dort „nur noch Einzelfälle“, heißt es vom Bürgerverein der Anwohner. Das Baudenkmal wurde mit einer unsichtbaren Schutzschicht versehen, die Graffiti nicht verhindert, aber die Entfernung erleichtert. Laut Geschäftsführer Schramm ist ein ähnliches Modellprojekt an einem Mietshaus am Kottbusser Tor in Kreuzberg geplant.

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