Dealerkinder : Kriminelle Kinder sollen jetzt doch eingesperrt werden

Der Senat plant ein geschlossenes Heim mit fünf Plätzen für kriminelle Jugendliche, auch für Drogendealer im Kindesalter. Auch die Opposition unterstützt das Vorhaben.

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Jugendliche Dealer narren die Polizei Foto: Kai-Uwe Heinrich
Jugendliche Dealer narren die PolizeiFoto: Kai-Uwe Heinrich

Der Senat will kriminelle Kinder nun doch in geschlossenen Einrichtungen unterbringen. Dieser Plan erntete gestern Zustimmung über alle Fraktionen hinweg – so gesehen erstaunlich, dass es bis zu diesem Entschluss Jahre gedauert hat. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatten sich schon früher für geschlossene Heime ausgesprochen, fanden aber in ihren Fraktionen keinen Rückhalt. Vor einem Monat hatte auch Polizeipräsident Dieter Glietsch gefordert, einen Ort zu schaffen, an dem delinquente Kinder vorübergehend festgehalten werden können – auch, um die Kinder vor kriminellen Hintermännern zu schützen. Experten der Jugendhilfe hatten zugestimmt.

Die Debatte über eine geschlossene Einrichtung war neu entbrannt, nachdem die Polizei in den Sommermonaten wiederholt Drogendealer im Kindesalter aufgegriffen hatte. Doch in dem geplanten Heim soll nichts an die Heime der siebziger Jahre oder gar an einen „Kinderknast“ erinnern. Das Konzept trägt den Namen „verbindliche Betreuung“, das Haus soll die Kinder nur kurzzeitig aufnehmen. Federführend ist die Bildungsverwaltung, mit an Bord der Arbeitsgruppe sind außerdem Vertreter anderer Senatsverwaltungen, der Polizei und der Bezirke.

„Es soll eine Übergangseinrichtung geschaffen werden, aus der die Kinder nicht entkommen können“, sagt der Sprecher der Bildungsverwaltung, Martin Sand. „Sobald sie da sind, werden sie pädagogisch betreut.“ Die Kinder sollen dort nicht monatelang, sondern nur so lange untergebracht werden, bis entschieden sei, ob sie in der normalen Jugendhilfe oder weiter „verbindlich betreut“ werden müssen – etwa in den bestehenden Einrichtungen in Brandenburg. Sand wies darauf hin, dass es sich um Einzelfälle handele: „Es geht um die sehr schwierigen Kinder, die immer wieder aus allen Einrichtungen abgehauen sind.“ Etwa fünf Plätze werde es geben, und er erwarte nicht, dass sie immer alle besetzt seien.

Sven Rissmann, rechtspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, begrüßte den „Gesinnungswechsel“. Seine Partei habe geschlossene Einrichtungen seit langem gefordert. „Vielleicht hätte man ein paar kriminelle Karrieren von Kindern, die zu Intensivtätern geworden sind, verhindern können“, meint Rissmann. Nun seien die Details interessant: „Wo sind die Mitarbeiter, wie sind die qualifiziert, was kostet das, wo stehen die im Stellenplan?“ Das alles wisse man noch nicht, sagte Sand. „Welche Trägerschaft, welche Immobilie, wie das Konzept aussieht, das soll bis Jahresende feststehen.“

Auch die FDP und die grüne Jugendpolitikerin Clara Herrmann begrüßten das Vorhaben. „Man braucht eine solche Einrichtung wohl“, sagte Herrmann. „Es geht auch darum, einen Zugang zu diesen Kindern zu finden, sie müssen geschützt und intensiv pädagogisch betreut werden.“

Genau dies geschieht derzeit in der Uckermark mit drei arabischen Kindern, von denen zwei über den Sommer als Drogendealer Schlagzeilen machten. Sie sind in einem Heim des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF) Lazarus untergebracht, wie der Sozialträger am Mittwoch bestätigte, und haben ihre Fluchtversuche mittlerweile eingestellt.

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