Energiepolitik : Sarrazin will beim Heizen sparen

Der DochFinanzsenator will für 100 Millionen Euro Landesgebäude energetisch sanieren. Doch die Aufnahme zweckgebundener eigener Kredite verweigert Sarrazin den Landesgesellschaften weiter. Das Poetenzial wäre also weit größer.

Stefan Jacobs

Als sich die Konjunkturpakete des Bundes erst vage am Horizont abzeichneten, hat Finanzenator Thilo Sarrazin (SPD) die Parole ausgegeben: „Wenn es Brei regnet, werden wir Löffel haben.“ Jetzt ist der Regen da – und der Senat holt die Löffel raus. Am Montag beraten mehrere Staatssekretäre über die Verteilung von 104 Millionen Euro aus dem zweiten Konjunkturpaket. Das Geld soll in die energetische Sanierung von Landesgebäuden fließen; eine von der Immobiliengesellschaft BIM erstellte Liste liegt nach Auskunft der Finanzverwaltung bereits vor. Auf ihr stehen Verwaltungs- und Gerichtsgebäude ebenso wie Feuerwachen und das Rote Rathaus. Was Priorität hat, ist geheim. Und die Schulsanierungen werden aus anderen Töpfen bezahlt.

Parallel haben Sarrazins Leute den realen Sanierungsstau der Landesgebäude ermittelt: Würden 911 Millionen Euro investiert, ließen sich binnen 20 Jahren mehr als 1,7 Milliarden Euro Heiz- und Stromkosten einsparen. Selbst nach zehn Jahren wären schon mehr als zwei Drittel des Geldes wieder hereingeholt – und nebenbei mehrere Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß vermieden worden. Am schnellsten rentieren sich Arbeiten an den Heizungen; selbst ein neuer Kessel hat sich schon nach zwei Jahren gelohnt. Neue Fenster lohnen sich laut der Berechnung erst nach 83 Jahren.

Doch die Aufnahme zweckgebundener eigener Kredite verweigert Sarrazin den Landesgesellschaften weiter: „Wir müssen auch den laufenden Haushalt im Griff haben“, sagt ein Sprecher des Senators mit Blick auf entsprechende Forderungen, die auch Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) erhoben hatte. Und dank der BIM-Liste könne man sich jetzt gezielt die dringendsten Fälle vornehmen. Um welche Dimensionen es geht, lässt die jährliche Energierechnung des Landes erahnen: Für 2008 dürften rund 180 Millionen Euro fällig werden.

Was sich konkret tun lässt, haben die Grünen für vier Schulen und eine Sporthalle ermitteln lassen. Die vom Bildungsträger „City-Büro Berlin“ erstellten Gutachten haben für die sehr verschieden strukturierten, aber durchweg nicht allzu neuen Gebäude Einsparpotenziale zwischen 19 und 66 Prozent ergeben. Für alle Fälle gilt, dass sich die Investitionen in Dämmung und Technik bereits nach weniger als 20 Jahren amortisiert haben und dass sich auch höherer Aufwand lohnt, weil die Ersparnis mitwächst.

Der Friedrichshain-Kreuzberger Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) beziffert den Hochbauetat seines Bezirks dank der Konjunkturprogramme auf jeweils rund 40 Millionen Euro für die nächsten Jahre. Dem stehe ein – im Bezirksvergleich eher geringer – Sanierungsstau von 76 Millionen Euro an den Schulen gegenüber. „In einem wahnsinnigen Kraftakt“ könne der Ende 2011 abgearbeitet werden. Mit dem vorhandenen, teils kurz vor der Pensionierung stehenden Personal sei es aber nicht zu schaffen, und im Stellenpool gebe es ebenfalls keine Fachleute. Aber mit den vom Senat genehmigten, befristeten Neueinstellungen habe man eine Chance. 

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