EU-Finanzen : EU gibt Millionen für Kiez-Projekte

Viele Berliner Projekte profitieren von den Fördergeldern der EU. Vier von ihnen bekamen Besuch aus dem Abgeordnetenhaus.

Anna Sauerbrey

BerlinRené Hartmann berät gerne. Bei Kaiser’s, wo er seine erste Ausbildung absolvierte, ging das kaum darüber hinaus, die Kunden in die richtige Regalreihe zu lotsen. Höchstens am Weinregal war mal seine Expertise gefragt. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Verkäufer wollte der junge Mann daher gerne weiterlernen. Mit einem Bildungsgutschein der Arbeitsagentur kam er im „Lernenden Kaufhaus“ unter, einer Initiative der Akademie für Berufsförderung und Umschulung. Hier finden junge Arbeitssuchende nicht nur einen Ausbildungsplatz, sondern sind gleich an der Unternehmensleitung beteiligt. Daher hat das „Kaufhaus“ eine guten Ruf und bietet den Jugendlichen gute Chancen, später auf dem ersten Arbeitsmarkt integriert zu werden.

Finanziert wurde das Projekt unter anderem aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Von 2005 bis 2008 gab es rund 700 000 Euro Fördergelder für den Aufbau. Das Kaufhaus ist nur einer von zahlreichen Empfängern europäischer Fördergelder in Berlin. Vier Beispielprojekte besuchte in dieser Woche der Ausschuss für Europaangelegenheiten anlässlich der anstehenden EU-Wahl. Dabei habe sich gezeigt, so das Fazit der Abgeordneten, wie vielfältig Brüsseler Euros inzwischen in der Hauptstadt zum Einsatz kommen: in sozialen Einrichtungen ebenso wie in Umweltprojekten und in der Technologieförderung.

Mittel aus dem Fonds für regionale Entwicklung (Efre) hat zum Beispiel Inventux erhalten. Seit 2008 werden in den Hallen in Marzahn-Hellersdorf Solarmodule hergestellt. Inventux beschäftigt derzeit 100 Mitarbeiter und will expandieren. Mit Hilfe von 12,5 Millionen Euro soll das Areal im Industriegebiet „Eastside“ zu einem Zentrum der Solartechnologie ausgebaut werden. „Berlin ist für uns als Standort ideal“, sagte Anahi Altamirano von Inventux. „Hier gibt es viele hochqualifizierte Forscher.“

Ein „idealer Standort“ für einen Park war das Militärareal Wuhlheide eigentlich nicht. „Die sowjetischen Streitkräfte hatten ein Faible dafür, alles einzugraben“, sagt Ingrid Lehmann vom Bezirksamt Treptow-Köpenick. Rund drei Millionen Euro aus dem Fonds für regionale Entwicklung haben das Umweltprojekt dennoch möglich gemacht. Leer stehende Kasernen wurden abgerissen, der kontaminierte Boden entsiegelt und saniert, bis aus dem Militärgelände ein Skaterparadies wurde.

In den Gesprächen der Abgeordneten mit den Projektleitern wurden aber auch die Schwierigkeiten deutlich, die mit der europäischen Förderung verknüpft sind. Die Abrechnung der Gelder sei extrem kompliziert, sagte Elke Fenster, Geschäftsführerin des Vereins Moabiter Ratschlag. Der Verein betreibt die „Nutzbar“ in der Rostocker Straße, die sich der Wiederverwendung scheinbar unbrauchbarer Gegenstände verschrieben hat. Hier werden alte Fahrräder repariert und Sperrmüllmärkte organisiert. Erst ein Besuch aus Brüssel, der eigentlich nur zur Prüfung der Abrechnung gedacht war, habe Klarheit über die Details der Anforderungen geschaffen. Und der kam zwei Monate vor Ablauf der Förderung. „Kleinere Einrichtungen sind mit damit sicher überfordert“, sagte Fenster.

Gute Nachrichten gab es gestern für die Bürgerplattform Schöneweide: 750 000 Euro gibt es für die Entwicklung in ihrem Kiez. Anna Sauerbrey

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