Europawahl : Puskás ist der General der Wahlzettel

Eigentlich ist Landeswahlleiter Schmidt von Puskás schon im Ruhestand – Am Sonntag war er trotzdem im Amt.

BerlinDie Europawahl am Sonntag, dann noch die Bundestagswahl am 27. September… Anschließend geht der Landeswahlleiter Andreas Schmidt von Puskás endgültig in den Ruhestand. Pensioniert ist der 66-jährige Verwaltungsjurist schon seit Februar 2008, aber Innensenator Ehrhardt Körting (SPD) bat ihn, den wichtigen Job noch eine Weile ehrenamtlich auszuüben. Schließlich kennt sich niemand in Berlin so gut aus wie Schmidt von Puskás, wenn es um die Vorbereitung von Wahlen oder Volksentscheiden geht.

Seit 2001 ist er Landeswahlleiter, aber schon seit 1981 Stellvertreter. Damals verloren die Berliner Sozialdemokraten im Zuge einer schweren Partei- und Regierungskrise die Macht, es kam zu vorgezogenen Neuwahlen, eine aufregende Sache für den Neuling. Lange her. Inzwischen spult Schmidt von Puskás jeden Urnengang mit großer Gelassenheit und Routine ab. Als Herr über 20 000 ehrenamtliche Wahlhelfer und einen sehr viel kleineren Pool professioneller Verwaltungsleute und Statistiker. Nicht nur politisch, auch organisatorisch sind Parlamentswahlen eine große Herausforderung, davon bekommen die Wähler in der Regel wenig mit.

An jedem Wahlsonntag geht Schmidt von Puskás gleich früh um acht Uhr ins Wahllokal, macht sein Kreuzchen und kümmert sich dann ums große Ganze. Der gebürtige Schlesier, dessen Familie vertrieben wurde, als er zwei Jahre alt war, wuchs in Hessen auf und kam 1964 nach Berlin. Dort hat er an der Freien Universität Jura studiert. Sein Vater war Pfarrer, die Gabe der freien Rede hat Schmidt von Puskás wohl von ihm geerbt. Er kann juristisch dozieren und Schnurren erzählen – stundenlang. Zuerst war er Rechtsanwalt, seit 1972 bis zur Pensionierung in der Innenverwaltung des Berliner Senats fachlich zuständig für das Staats-, Verfassungs-, Verwaltungs-, Beamten- und Dienstrecht. Und für Bezirksangelegenheiten und Wahlen.

Seine spannendste Wahl, so hat Schmidt von Puskás mal erzählt, sei die von 1990 gewesen. Genauer gesagt waren es im Einheitsjahr mehrere Wahlen. Zuerst die DDR-Volkskammerwahl, für die er als Beobachter angefragt war. Dann in Berlin die Bezirkswahlen im Mai, schließlich die Bundestags- und Abgeordnetenhauswahl im Dezember 1990, deren Vorbereitung schon begann, als Deutschland noch gar nicht wiedervereinigt war. Dagegen ist so eine Europawahl geradezu ein Klacks. Aber nicht weniger wichtig für die Demokratie. za

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