FDP-Fraktion : Die neue Sachlichkeit

Die Liberalen halten nach dem Personalduell ihre Gefühle im Zaum.

Nur keine neue Kraftprobe: Das war Konsens in der FDP-Fraktion vor deren Sitzung am Dienstagnachmittag. Bei dem ersten Treffen nach dem Wahlparteitag wollte niemand dem Fraktionschef Martin Lindner das Leben schwer machen, nachdem dieser das Duell um den Landesvorsitz am Freitagabend spektakulär verloren hatte. Lindners Gegner, die dem Landesvorsitzenden Markus Löning am Freitag zum Sieg mit 180 gegen 163 Stimmen für Lindner verholfen hatten, setzen ganz auf emotionale Beruhigung. Wer jetzt „seine Wunden lecken“ wolle, der solle das tun, hieß es.

Vor allem sollten Lindner keine neuen Wunden geschlagen werden. Auf der Tagesordnung der Liberalen für die Fraktionssitzung stand die Berufung eines neuen Fraktionsgeschäftsführers – und sie verlief ganz im Sinne des Fraktionschefs. Jan Gerd Becker-Schwerin heißt der Mann, der künftig die Arbeit der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus organisieren soll. Bislang kümmerte er sich um den Arbeitskreis Kultur der FDP-Bundestagsfraktion. Er gilt als Kandidat, der keinem der beiden Lager um Lindner und Löning angehört. Und seine Wahl erfolgte einstimmig.

Die Abstimmung über Lindners Personalvorschlag galt in der Fraktion als entscheidender Hinweis auf den weiteren Kurs der Fraktion. Dass Becker-Schwerin nun so klar gewählt wurde, taugt als Beweis eines neuen Sinns für Gemeinsamkeit. Doch schon vor der Abstimmung über den neuen Geschäftsführer waren besonders Lindners Gegner davon ausgegangen, dass es keinen Ärger geben werde: Lindner solle sehen, dass die am Freitag- abend getroffene Entscheidung über den Landesvorsitz nicht gegen ihn als Fraktionschef gerichtet gewesen sei, hieß es bei den Löning-Leuten: „Wir wollen uns nicht in zwei Gruppen spalten.“ Von den dreizehn FDP-Abgeordneten gelten sieben als Anhänger Lindners und Befürworter seiner Kandidatur für den Landesvorstand. Die anderen sechs, zu denen die Abgeordneten Christoph Meyer und Björn Jotzo gehören, gelten als Lönings Verbündete. Auch in deren Gruppe herrscht die Meinung vor, Lindner sei als Fraktionschef einstweilen nicht zu ersetzen.

Dass die Niederlage vom Freitag Lindner heftig getroffen habe, vermuten die meisten in der Fraktion. Er werde Zeit brauchen, um den Ausgang des Duells zu verarbeiten, sagt ein FDP-Abgeordneter, doch werde Lindner seinen Frust beherrschen. Einer der Lindner-Kritiker in der Fraktion sagte, man müsse sich nun aussprechen und eine neue Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit schaffen. Dass es aber auf Dauer bei der neuen Sachlichkeit in der Fraktion bleibt, glauben nicht alle. So werde es nicht bleiben, hieß es. wvb.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben