Finanz-Staatssekretär : Ein neuer Mann fürs Berliner Tafelsilber

Christian Sundermann kommt aus Magdeburg und wird in Berlin Finanz-Staatssekretär.

Ulrich Zawatka-Gerlach

Finanzsenator Ulrich Nußbaum ordnet sein Haus neu. Mit Christian Sundermann, der 1991 in Sachsen-Anhalt als persönlicher Referent des Ministerpräsidenten Reinhard Höppner (SPD) in die Politik einstieg, wurde am Dienstag ein neuer Staatssekretär präsentiert. Der 51-jährige Diplom-Politologe, SPD-Mitglied seit 28 Jahren, suchte seit Februar einen Job. Bis dahin war er Staatssekretär im Finanzministerium von Sachsen-Anhalt, hatte sich aber mit dem Minister Jens Bullerjahn (SPD) überworfen.

Bullerjahn gilt als Heißsporn, ein persönlich schwieriger Typ. Sundermann eilt hingegen der Ruf voraus, über Parteigrenzen hinweg ausgleichend zu wirken. Ein intellektueller Kopf, angenehm im Umgang, er habe für Bullerjahn die Arbeit gemacht, hört man aus Magdeburg. Die SPD-Landtagsfraktion hat ihn nur mit großem Bedauern ziehen lassen. Schon vor zehn Tagen wurde sich der Berliner Finanzsenator Nußbaum mit Sundermann handelseinig.

Umziehen muss der neue Mann nicht. „Ich bin gebürtiger Berliner, ging hier zur Schule, habe hier studiert und meine Familie wohnte immer in Berlin“, sagte Sundermann im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Nach dem Mauerfall habe ihn der ehemalige Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD) als Wahlkampfhelfer für den Parteifreund Höppner empfohlen. Sundermann blieb gleich dort. In Berlin wird sich der neue Mann voraussichtlich um die Landesunternehmen kümmern, vor allem um die schwierigen Fälle. Dazu gehören die Charité, der Krankenhauskonzern Vivantes und die Verkehrsbetriebe. Für das öffentliche Vermögen war bisher die zweite Finanzstaatssekretärin in der Verwaltung, Iris Spranger, zuständig. Sie soll künftig den Landeshaushalt betreuen.

Das war bis jetzt die Aufgabe von Klaus Teichert (SPD), ein enger Vertrauter des Ex-Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD), von dem sich Nußbaum aber trennte. Lauten Streit gab es angeblich nicht zwischen den beiden Herren, aber auch keine gedeihliche Zusammenarbeit. Teichert wäre im Mai gern selbst Finanzsenator geworden. Und die hemdsärmelige, sarkastische Art Teicherts entsprach offenkundig nicht dem Stil des neuen Finanzsenators. Zudem fühlte er sich vom bisherigen Staatssekretär manchmal nicht ausreichend über wichtige interne Vorgänge informiert.

In der SPD-Fraktion stieß die Personalentscheidung Nußbaums, die gestern vom Senat abgesegnet wurde, auf zurückhaltende Zustimmung. Dabei fühlte sich Sundermann gestern – bei der Vorstellung in einer gemeinsamen Sitzung des SPD-Fraktions- und Landesvorstandes – durchaus „freundlich aufgenommen“. Doch SPD-Abgeordnete wie der haushaltspolitische Sprecher Stefan Zackenfels oder der Vorsitzende des Hauptausschusses, Ralf Wieland, hätten ein Jobangebot der Finanzverwaltung sicher auch nicht abgelehnt. Aber es gibt noch andere Meinungen. „Neue Ideen und Auffrischungen von außen tun der Hauptstadt Berlin doch gut“, sagte der altgediente SPD-Haushälter Karlheinz Nolte. Wichtige Führungsämter im Senat müssten nicht immer „aus dem eigenen Suppentopf“ besetzt werden.

Ein Blick auf die Berliner Staatssekretärsriege zeigt, was gemeint ist. Von den 17 Posten sind acht durch frühere Stadträte oder Abgeordnete besetzt. Die anderen sind Quereinsteiger, fünf wurden aus anderen deutschen Landen importiert. Die dienstältesten Staatssekretäre, Thomas Härtel (Sport) und Maria Krautzberger (Verkehr), sind seit 1999 dabei. Da gab es noch eine große Koalition mit dem Regierungschef Eberhard Diepgen (CDU) an der Spitze. Weitere sieben Staatssekretäre gehörten bereits dem ersten Wowereit-Senat an, der von 2001 bis 2006 regierte.

In dieser Wahlperiode ist Christian Sundermann der fünfte Staatssekretär, der bei laufendem Betrieb eingestellt wurde. Und wie der Kollege Teichert traten auch Christoph Flügge (Justiz) und Eckart Schlemm (Bildung) nicht freiwillig ab. Ulrich Zawatka-Gerlach

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