Finanzen : Sarrazins Herzenssache

Der Finanzsenator beantwortet im Internet freche Fragen zu Schulsanierung, BVG und mehr. Doch die Bürger wollen auf der Plattform www.direktzu.de/Sarrazin nicht nur ihren Wissensdurst stillen, auch handfeste Kritik wird dort geübt.

Ulrich Zawatka-Gerlach

Berlin„Wenn Sie glauben, dass Sie eine gute Arbeit als Finanzsenator für Berlin geleistet haben, dann möchte ich an dieser Stelle widersprechen und Sie eines Besseren belehren“, schreibt Wendula Strube. Das Manko im Haushalt, das Thilo Sarrazin 2002 vorgefunden habe, hätte „jeder blinde Hauptschüler ohne buchhalterische Vorkenntnisse wieder in den Rahmen der Ordnung“ bringen können.

Grobe, ehrliche Worte, sicher ganz nach dem Geschmack des scheidenden Finanzsenators, auch wenn er die Meinung nicht teilt. Zu lesen auf der Internet-Plattform www.direktzu.de/Sarrazin, die seit dem 20. März jedem zur Verfügung steht, der etwas auf dem Herzen hat. Die Fragen an Sarrazin können von jedem registrierten Nutzer bewertet werden. Einmal wöchentlich beantwortet der Senator die Frage mit der besten Wertung. Das Thema dieser Woche war, wen wundert’s, der Zustand der Berliner Schulen. „Flickschusterei, Bau- und Hygienemängel“ kritisiert die Fragerin. „Ist Ihnen unsere Zukunft nichts wert, die die Kinder darstellen?“ Das wollte Sarrazin nicht auf sich sitzen lassen. Nein, ihm lägen die Berliner Schulen am Herzen. Aber: „Hierfür haben wir in Berlin seit Jahren mehr Geld zur Verfügung gestellt als andere Bundesländer.“ Sollte es dennoch Leistungsdefizite geben, dann liege das wohl nicht an mangelnder finanzieller Ausstattung.

Dem Seitenhieb gegen leistungsunwillige Lehrer ließ der Finanzsenator noch eine Kopfnuss für die Bezirksverwaltung folgen. Der Senat habe mit Hilfe von Sonderprogrammen und dem Konjunkturpaket wichtige Prioritäten zur Sanierung von Schulgebäuden gesetzt. Ursache des „zugegebenermaßen bestehenden“ Sanierungsstaus seien aber die Bezirke als Träger der Schulgebäude, die „die vom Land veranschlagten Mittel häufig nicht für den eigentlichen Zweck eingesetzt haben“. Wozu wurde Sarrazin noch befragt? Zu „überteuerten BVG-Tickets“, zur Scheidungsrate in Berlin, zu den Mieten in Kreuzberg. An der Kommunikationsplattform „direktzu“, 2007 von Studenten der FH Brandenburg erfunden, beteiligen sich Kanzlerin Angela Merkel, Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck und Wirtschaftssenator Harald Wolf. Klaus Wowereit nicht. 

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