Fleischskandal : Sonderkontrollen bei Kebab-Herstellern

Rund 49 Tonnen Schlachtreste wurden von der schwäbischen Firma "Wertfleisch" an einen Dönerhändler in Berlin-Mitte geliefert. Um noch nicht verzehrte Reste zu finden, machen sich Lebensmittelkontrolleure auf die Suche nach dem Gammelfleisch.

Christoph Stollowsky

Berlin Die Großfahndung nach den ungenießbaren Fleischresten war bis zum vergangenen Freitag erfolglos. So gut wie alles Ekelfleisch, das nach Berlin geliefert wurde, sei in Dönern verzehrt worden, hieß es. Doch am Wochenende haben Lebensmittelkontrolleure doch noch einen Drehspieß mit dem minderwertigen Fleisch in einem Marzahner Imbiss entdeckt. Das Kebab wird zur Zeit mikrobiologisch untersucht. Erste Ergebnisse sollen Mittwochnachmittag vorliegen. Unterdessen lässt die Gesundheitverwaltung alle Hersteller von Kebabspießen verstärkt kontrollieren.

Rund 49 Tonnen lebensmitteluntaugliche Schlachtreste hat die mutmaßlich betrügerische Firma „Wertfleisch“ aus Schwaben falsch etikettiert im vergangenen Juli und August einem Dönerhersteller in Mitte geliefert. Nachdem dies am vergangenen Dienstag entdeckt worden war, kontrollierten die bezirklichen Lebensmittelaufsichtsämter anhand der Auslieferungslisten des betroffenen Produzenten sofort alle Döner-Buden, die im genannten Zeitraum Spieße bezogen hatten. Doch außer in der Tiefkühltruhe des Marzahner Imbisses wurden die Prüfer nirgendwo fündig. Die Gesundheitsverwaltung geht deshalb davon aus, „dass nun keine weiteren Drehspieße mit dem ungenießbaren Fleisch der Kategorie 3 (K3) mehr verkauft werden.“

Die sichergestellte Kebabmasse habe nicht eklig gerochen, heißt es. Doch ob das Fleisch gesundheitsgefährdend war, hängt vom Ergebnis der Keimuntersuchung ab. Gesundheits-Staatssekretär Benjamin Hoff (Die Linke) beauftragte zugleich die Lebensmittelaufsichtsämter der Bezirke, alle Kebab-Hersteller hinsichtlich ihrer Lieferanten und Verarbeitungsweise „intensiv“ zu überprüfen. Entsprechend werde auch der Betrieb in Mitte kontrolliert, in dem das K3-Fleisch verarbeitet worden war. Hoff stellte sich gestern aber weiter vor die Firma. Nach den bisherigen Erkenntnissen habe sie den Betrug nicht geahnt. Diese Unschuldsvermutung müsse man aufrecht erhalten, so lange nichts anderes bekannt sei.

Unterdessen ermitteln die Landeskriminalämter von Bayern und Berlin im Fleischskandal und versuchen offenbar auch diese Frage nach der Mitverantwortung des Betriebes zu klären. Kritik und Skepsis gegenüber dem Unternehmen wächst äußern unterdessen Politiker in Berlin und Bayern. Denn die Firma erwarb das falsch deklarierte Fleisch laut Staatsanwaltschaft zu einem Niedrigpreis von etwa 90 Cent pro Kilogramm. Marktüblich sind hingegen für die selbe Menge Kebab-Rohware zwei bis drei Euro. Spätestens bei diesem Angebot des Lieferanten hätte der Hersteller Verdacht schöpfen müssen, meinen die Grünen und die FDP im Abgeordnetenhaus. Und der CSU-Fraktionschef im bayrischen Landtag, Joachim Hermann, erklärte gestern: „Es kann mir doch keiner erzählen, dass tonnenweise Ekelfleisch verarbeitet wird, ohne etwas zu merken.“

Auch Berlins Lebensmittelkontrolleure hätten bei der Firma offenbar zu wenig hingeschaut, rügte gestern die FDP. Die Gesundheitsverwaltung kontert, man prüfe „auf hohem Niveau“. Rund 80 Prozent der 52 000 Berliner Fleischverarbeiter- und Anbieter „von der Fleischfabrik über Supermärkte bis zur Bude“ würden jährlich einmal überprüft.

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