Forschungscampus : Ole im Glibberlabor

Für das Forscherschloss in Buch fehlt die Unterstützung von Land und Bezirk. Der Hamburger Bürgermeister kam zur Visite – und versprach nachzuhelfen.

Werner Kurzlechner
284497_0_2cd6592f.jpg
Forscherdrang. Campuschef Ulrich Scheller zeigt Ole von Beust echte DNA.F: Heerde

Der Sonntagsspaziergang des Bürgermeisters führte vorbei an Birken und Veilchen, einem Berliner Bären aus Plastik und den Fassaden auf dem Forschungscampus in Buch. Campusmanager Ulrich Scheller und seine Vorgängerin Gudrun Erzgräber hätten sich wohl noch mehr gefreut, hätten sie den Regierenden aus Berlin begrüßen dürfen. Stattdessen war – immerhin – der Erste Bürgermeister aus Hamburg zu Gast. „Das sind aber keine Atrappen, oder? Hier arbeiten schon Menschen drin?“ witzelte Ole von Beust (CDU), der kurz vor der Bundesvorstandssitzung seiner Partei noch einen Abstecher nach Buch machte. 50 Firmen mit 700 Mitarbeitern seien auf dem Gelände angesiedelt, klärten Scheller und Erzgräber auf. Es handele sich neben Heidelberg und dem bayerischen Martinsried um einen der größten Standorte für Biotechnologie in Deutschland – der aber von der Berliner Politik leider stiefmütterlich behandelt werde.

Direkt eingreifen kann von Beust von Hamburg aus nicht. Sein Besuch konnte den Akteuren in Buch lediglich moralischen Auftrieb geben, und ebenso der Pankower CDU mit ihrer Kritik an den rot-roten Verhältnissen. Die Biotechnologie sei eine der Zukunftsbranchen für Berlin, so Bundestagskanditat Gottfried Ludewig. „Aber in Berlin fehlt dafür eine Vision. Es kann nicht sein, dass Leuchtturmprojekte im Kleinklein von Bezirks- und Landesebene versanden.“ Er wünsche sich, dass Bund und Länder die Forschungslandschaft gemeinsam entwickelten. Dafür stehe Ole von Beust, und darum habe er ihn eingeladen.

So fand sich der Besucher aus Hamburg schnell im Gläsernen Labor wieder. Von Beust bestaunte dort das Modell einer Zelle, das aussieht wie eine aufgeschnittene exotische Frucht. Dann hielt ihm Scheller ein Gemisch aus Nektarinensaft, Spülmittel und reinem Alkohol unter die Nase. „Diese glibberige Masse ist DNA“, erklärte der Wissenschaftler. Jährlich erhalten hier 10 000 Schüler einen Einblick in die Welt der Lebenswissenschaften. Unternehmen und Forschungsinstitute wollen zehn solcher Labore zu verschiedenen Themen im leer stehenden Waldhaus an der Zepernicker Straße unterbringen und so Besuchermassen nach Buch locken. An diesem gut 27 Millionen Euro teuren „Forscherschloss“ wollen sich Unternehmen und auch der Bund mit mehreren Millionen Euro beteiligen. Das Vorhaben kommt allerdings seit Jahren kaum voran, weil das Pankower Bezirksamt aus Angst vor einem finanziellen Risiko keine Fördermittel beantragen wollte.

„Ich werde mit Bundesforschungsministerin Schavan darüber reden“, versprach von Beust. Er gönne Berlin ein derartiges Aushängeschild. Schließlich sei Hamburg ja eher in der Nanotechnologie gut aufgestellt und somit kein Konkurrent. Angesichts der vielen Klassenfahrten nach Berlin würde es so einem Haus gewiss nicht an Besuchern fehlen. Ansonsten verlor sich von Beust nicht weiter in den Tiefen der lokalen Ebene.

Von dort gibt es für Buch gute Nachrichten: Auf Druck der Verordnetenversammlung hat Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) die EU-Mittel inzwischen beantragt. Außerdem sei der zwischenzeitlich abgesprungene Hauptsponsor Eckert & Ziegler wieder mit im Boot, so Scheller – unter der Bedingung, dass bis Oktober endlich über das Vorhaben entschieden sei. Werner Kurzlechner

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben