Friedrichshain-Kreuzberg : Protestaktion für kleinere Klassen

Schulen in sozialen Brennpunkten demonstrierten vorm Abgeordnetenhaus. Um die Qualität des Unterrichts zu sichern, fordern Kinder, Eltern, Lehrer und Erzieher Obergrenzen für die Klassengröße.

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Bunter Protest. Mit Plakaten und Rap gingen die Schulen auf die Straße. F.: M. von Hoff

Berlin„Bildung für alle, sonst gibt es Krawalle“ – dieser Ruf tönte gestern unweit des Abgeordnetenhauses durch die Wilhelmstraße. Kinder, Eltern, Lehrer und Erzieher aus rund zwei Dutzend Schulen folgten dem Aufruf des Bezirkselternausschusses (BEA) Friedrichshain-Kreuzberg und demonstrierten gegen große Schulklassen in sozialen Brennpunkten. Auch Vertreter von Migrantenvereinen hatten sich dem Protest angeschlossen. Die Veranstalter sprachen von rund 4000 bis 5000 Teilnehmern, die Polizei schätzte rund 1200.

Im Mittelpunkt des Protestzuges stand die Forderung, an Grundschulen generell keine Klassen mit mehr als 24 Kindern zuzulassen. In sozialen Brennpunkten sollten es nur maximal 20 sein. Anders sei eine konsequente Förderung in Klassen mit vielen Migranten, sozial Benachteiligten und behinderten Kindern nicht möglich. Die Demonstranten forderten die Rückkehr zu einer Richtlinie aus früheren Jahren, als Anfängerklassen in sozialen Brennpunkten mit nur 20 bis 23 Kindern aufgemacht werden sollten.

Die Bildungsverwaltung wies darauf hin, dass die Schulen einen Spielraum hätten, um kleinere Klassen einzurichten. Zum einen könnten sie dies bei der Schulaufsicht beantragen, zum anderen könnten sie auch ohne Genehmigung kleine Klassen bilden, wenn sie ihr Personal entsprechend einsetzten. Da viele Schulen davon Gebrauch machten, liege die durchschnittliche Klassengröße unter 24 Kindern.

Zurzeit gibt es in Berlin rund 6300 Grundschulklassen. Von ihnen haben rund 800 Klassen 20 Schüler oder weniger. Rund 2900 Klassen wurden mit 21 bis 24 Kindern gebildet, rund 2700 Klassen haben 25 bis – vereinzelt – 30 Kinder.

Im laufenden Schuljahr konnten sich die Schulen noch dadurch behelfen, dass sie aus einem „Dispositionspool“ zusätzliche Stellen für die Sprachförderung oder Integration bekamen. Im kommenden Schuljahr werden viele Schulen allerdings weniger Stellen auf diese Weise erhalten, weil der Pool auf immer mehr Schulen aufgeteilt werden muss.

Hintergrund ist, dass der Anteil der Kinder, die sprachliche oder sonderpädagogische Förderung brauchen, steigt. Somit haben immer mehr Schulen Anspruch auf zusätzliche Stellen. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) erhält aber keine weiteren Stellen für diese Förderung: Rot-Rot hat die entsprechenden Finanztöpfe „gedeckelt“. Ein Blick in die Statistik zeigt, warum die vor Jahren festgelegten Personalmittel nicht mehr reichen: Allein zwischen 2003 und 2008 stieg die Zahl der behinderten Schüler, die integriert werden sollen, um 2000. (krö/sve)

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