Gewaltvorfälle : Neukölln: Sicherheitsdienst an Schulen

Bezirksbürgermeister Buschkowsky zieht die Konsequenz aus Gewaltvorfällen an Neuköllner Schulen. Spezielle Sicherheitsdienste sollen künftig für Ordnung sorgen.

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Vor allem schulfremde Störer sollen ferngehalten werden. -Foto: Imago

Schulen in Neukölln sollen künftig durch spezielle Sicherheitsdienste vor Gewaltvorfällen geschützt werden. Das Neuköllner Bezirksamt hat nach Angaben von Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) beschlossen, vom neuen Schuljahr 2007/08 an Schulen auf Wunsch Wachleute zur Verfügung zu stellen. Damit soll unter anderem das Eindringen schulfremder Personen auf das Schulgelände unterbunden werden, teilten Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) und Buschkowsky am Dienstag mit. Am Freitag wollen die Kommunalpolitiker die Öffentlichkeit im Rathaus Neukölln über ihre Pläne unterrichten.

Anlass für die Entscheidung, die in dieser Form ein Premiere an Berliner Schulen wäre, seien die „in den letzten beiden Jahren stark gehäuften Vorfälle, bei denen Gewaltpotenzial von außen in die Schulen getragen wurde“. Ihre Initiative überschrieben Buschkowsky und Schimmang mit den Worten „Schule ist ein geschützter Raum, das soll in Neukölln so bleiben.“ Die Verwaltung von Bildungsssenator Jürgen Zöllner (SPD) wollte sich zunächst zu dem Vorstoß nicht äußern. Ein Sprecher sagte, zunächst müssten in dieser Sache von Buschkowsky selbst Informationen eingeholt werden.

In Neukölln hatten sich an Schulen und auf Schulhöfen in jüngster Zeit wiederholt zum Teil spektakuläre Gewaltvorfälle ereignet. Auf dem Hof der Röntgen-Oberschule in Neukölln war ein Lehrer von einem schulfremden Jugendlichen niedergeschlagen und verletzt worden. Der Jugendliche hatte seine Freundin auf dem Schulhof zur Rede stellen wollen, diese lehnte aber ab. Als der Lehrer eingriff, schlug der Jugendliche zu. An einer weiteren, nicht namentlich genannten Neuköllner Schule war laut Polizei ein 15-jähriger Schüler von einem 13-jährigen Mitschüler geschlagen und drei Tage später von zwei schulfremden Jugendlichen massiv bedroht worden. Zöllner hatte angekündigt, die Frage der Sicherung von Schulgebäuden und -geländen mit den Bezirks-Stadträten zu beraten. Die Möglichkeiten zur Sicherung von Schulen müssten genau geprüft werden.

Zusätzliches Aufsichtspersonal gibt es schon jetzt an einzelnen Schulen. Laut Bildungsstadtrat Schimmang nutzen neun von 70 Schule in Neukölln die Möglichkeit, sich von 1-Euro-Kräften helfen zu lassen. Dazu zählt neben der Rütli-Hauptschule die Heinrich-Heine-Realschule. Viele Schulen besorgen sich darüber hinaus kurzzeitig Sicherheitskräfte, um Feste schützen zu lassen.

Der Sprecher der Bildungsgewerkschaft GEW, Peter Sinram, hält es auf die Dauer nicht für gut, wenn vor den Schulen „martialisch aussehene Wachleute“ stehen. Das könne das Schulklima belasten. Deshalb sei er in der Frage, ob der Neuköllner Vorstoß gut sei, „gespalten“. Wenn Wachleute Gewalt durch Schulfremde verhindern könnten, sei das zu begrüßen. Man müsse sich aber genau ansehen, wie lange so eine Verstärkung Sinn mache.

Nach Ansicht der CDU führt die Debatte über private Wachdienste an den Schulen„in die Irre“. Die dafür notwendigen Gelder, die sich in Neukölln auf einen siebenstelligen Betrag belaufen dürften, sollten besser „in die Stärkung der Polizei investiert werden“, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Henkel. Der Schutz vor Gewalt sei eine originäre Aufgabe der Polizei. dpa/sve

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