Glietsch-Nachfolge : Fahndung nach neuem Polizeichef

Wer wird Dieter Glietschs Nachfolger im Amt des Berliner Polizeipräsidenten? Im Gespräch sind einige Männer und nur eine Frau. Offizieller Dienstbeginn ist der 1. Juni 2011.

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Dieter Wehe ist Inspekteur der Polizei in Nordrhein-Westfalen und wird als Kandidat für das Amt des Polizeichefs gehandelt. Foto: dpa/Oliver Berg
Dieter Wehe ist Inspekteur der Polizei in Nordrhein-Westfalen und wird als Kandidat für das Amt des Polizeichefs gehandelt.Foto: dpa/Oliver Berg

Wer wird neuer Polizeipräsident? Am Freitag soll die Ausschreibung im Berliner Amtsblatt veröffentlicht werden, am Sonnabend im Stellenteil der FAZ. Dienstbeginn ist der 1. Juni 2011, wobei inoffiziell gewünscht wird, dass der Nachfolger schon vorher mitläuft, vor allem am 1. Mai. Sicher scheint nur eines: Es wird ein Mann. Seit Monaten wird hinter den Kulissen nach geeigneten Kandidaten gesucht. Die einzige Frau, die immer wieder genannt wird, wird es definitiv nicht – Vizepräsidentin Margarete Koppers hat im Präsidium schon klar gesagt, dass sie sich nicht bewerben werde. Chancen hätte die Juristin und gelernte Verwaltungsfachfrau ohnehin nicht, da ein „gelernter“ Polizist gesucht wird – auch wenn sie im Präsidium allseits als ausgesprochen geeignet gelobt wird. Auch bundesweit gibt es keine qualifizierte Frau.

Möglich sind eine hauseigene Lösung und eine externe. Eine externe scheint dem Vernehmen nach realistischer zu sein. Bereits vor Monaten hat Glietsch bei Innensenator Ehrhart Körting (SPD) den Namen Dieter Wehe ins Spiel gebracht. Wehe ist seit 2002 Inspekteur der Polizei in Nordrhein-Westfalen – als Nachfolger von Dieter Glietsch übrigens. Doch Wehe soll seit längerer Zeit zögern. Das wird ihm jetzt wohl auf die Füße fallen. „Wir können keinen nehmen, den wir zum Jagen tragen müssen“, hieß es in der Politik. Schon sein Dienstrang „Inspekteur“ in NRW prädestiniert ihn für den Job. Denn beamtenrechtlich gilt: Je höher der Dienstrang, desto besser qualifiziert. Wehe hat drei goldene Sterne zum Eichenlaub. Auch ein anderer, von Glietsch hoch geschätzter Beamter in NRW, Jürgen Mathies, Direktor des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste, hat abgelehnt.

Die anderen gehandelten Kandidaten haben zwei oder nur einen Stern mit Eichenlaub. Als möglicher Nachfolger gilt Rudolf Springstein, Polizeichef in Mecklenburg-Vorpommern. Das Interesse an Klaus Kandt, bei dem die Innenverwaltung ebenfalls vorgefühlt hatte, gilt dagegen als erkaltet. Kandt ist seit zwei Jahren Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin – kennt also die Stadt.

Der am häufigsten genannte Berliner Name, der Direktionsleiter Klaus Keese, hat wohl weniger Chancen, auch wenn Keese schon mit Körting gesprochen hat und sich nun bewerben will. Geheimtipp im Präsidium ist Klaus Zuch, der in der Senatsinnenverwaltung die Abteilung Innere Sicherheit leitet und lange im LKA gearbeitet hat. Ausgeschlossen ist, dass Glietsch weitermacht. Auf Bitten Körtings hatte Glietsch bereits einer dreijährigen Verlängerung seiner Amtszeit zugestimmt. Diese wäre regulär nach Vollendung seines 61. Geburtstags am 2. Mai 2008 beendet gewesen, daraus wurde der 2. Mai 2011. Und eine Neubesetzung jetzt erlaubt der SPD, diesen Posten noch einmal zu besetzen, egal wer die Wahl im September 2011 gewinnt. Wie berichtet, erzürnt dies CDU und Grüne.

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