Golfclub Wannsee : Sarrazin: Gutes Geschäft für Berlin

Ex-Senator rechtfertigt Immobilienvergabe: Für den ehemaligen Finanzsenator Thilo Sarrazin ist die Grundstücksvergabe an den Golfclub Wannsee "ein sehr gutes Vermögensgeschäft für das Land Berlin".

Werner van Bebber

BerlinIn einer Mail an diese Zeitung schrieb Sarrazin, man habe früheres Waldland verpachtet und „dessen zehnfachen Wert“ – nämlich 3,045 Millionen Euro – als Erbpacht für 99 Jahre hergegeben. Diese Argumentation können mit der von allen Fraktionen außer der FDP kritisierten Grundstücksvergabe befasste Abgeordnete nicht nachvollziehen.

Der SPD-Finanzpolitiker Holger Thärichen erinnerte daran, dass es schon im Mai 2008 Gegensätze über einen angemessenen Kaufpreis gegeben habe zwischen seiner Fraktion und der Finanzverwaltung. Zu dieser Zeit lehnte die SPD einen Kaufpreis von 3,6 Millionen als zu niedrig ab. Sarrazin sprach schon damals von einem guten Geschäft.

Die nun vertraglich zugesicherte Einmalzahlung für die Erbpacht liegt um mehr als 500 000 Euro unter dem Preis, den SPD, CDU und Grüne vor einem Jahr kritisiert hatten. Und das, obwohl der Liegenschaftsfonds in den Verhandlungen darauf hingewiesen hatte, dass der Golfclub nach dem absehbaren Verlust seiner Gemeinnützigkeit 2010 einen höheren Pachtzins zahlen müsste. Zu klären bleibe die Frage, warum die Finanzverwaltung die Position des Liegenschaftsfonds aufgegeben habe, sagte Thärichen. So sehen es auch der CDU-Haushaltsfachmann Florian Graf und seine Kollegin von der Linken, Jutta Matuschek. Der geringe Pachtzins, den der Club entrichte, sei an die Gemeinnützigkeit gebunden, sagte Matuschek. Graf sagte, es bliebe die Frage, warum Sarranzin dem Golfclub Vorteile gewährt habe. Seine neue Stellungnahme dokumentiere nur fehlendes Unrechtsbewusstein.

Sarrazin wies indirekt die Annahme zurück, er habe gute Verbindungen zu dem Club. Er sei dort einmal Gast des Neujahrsempfang gewesen und habe zum ersten Mal Ende Juni dort bei einem Wohltätigkeitsturnier gespielt, schrieb er. Auch benutzte er den Begriff einer „Kampagne“. 

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