Golfclub Wannsee : Was wusste Wowereit?

Die CDU will Rolle des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit bei der Verpachtung des Golfplatzes Wannsee klären.

Werner van Bebber
290921_0_39431a81.jpg
Im grünen Bereich. Beim Golfclub Wannsee gilt das jedenfalls für den Platz.F: Steinert

BerlinDer Rechnungshof wird sich womöglich abermals mit dem Golfclub Wannsee befassen. Florian Graf, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, hat am Donnerstag eine „kurzfristige Sonderprüfung“ des kritisierten Pachtvertrages für den Golfclub gefordert. Auch der Grünen-Finanzpolitiker Oliver Schruoffeneger befürwortet eine solche Untersuchung. „Das ist immer richtig“, sagte Schruoffeneger zu Grafs Forderung nach einer Sonderprüfung. Der Rechnungshof wollte dies nicht kommentieren. Er ist frei zu entscheiden, ob und wenn ja wann es eine solche Prüfung geben wird.

Graf geht davon aus, dass der Golfclub „mehrfach subventioniert“ worden ist. Der Pachtzins sei halbiert und zusätzlich sei der Verkehrswert für das 56,8 Hektar große Grundstück niedrig angesetzt worden, so der CDU-Politiker. „Dies allein ist unzulässig.“ Außerdem seien die finanziellen Vorteile für den Club nicht an dessen Gemeinnützigkeit gekoppelt worden. Das habe „die politische Spitze der Senatsfinanzverwaltung bewusst verhindert“.

Gemeint ist der ehemalige Finanzsenator Thilo Sarrazin. Auch in der Berliner SPD gibt es einige, die ihm deshalb grollen. Graf will nun auch wissen, inwieweit der Regierende Bürgermeister von der Grundstückvergabe wusste. Der Senat hat sich nur einmal mit dem Golfclub befasst. Am 12. Februar 2008 beschloss er, dem „großen und traditionsreichen Golfclub“ die Immobilie zu verkaufen. Darüber aber kam es im Abgeordnetenhaus zum Streit. Der Verkauf kam nicht zustande. Daraufhin begannen die Gespräche über die Verpachtung des Platzes.

Dass außer Sarrazin auch der Regierende Bürgermeister von der Angelegenheit wusste, wird zumindest in der SPD-Fraktion bezweifelt. Man habe in der Grundstücks-Angelegenheit immer nur mit Sarrazin zu tun gehabt, hieß es. Graf hingegen meint, es sei „kaum vorstellbar“, dass Wowereit sich nicht mehr für den Vertrag mit dem Club interessierte, nachdem er sich für den Verkauf der Immobilie eingesetzt habe und dabei vom Abgeordnetenhaus gestoppt worden sei. So sieht es Schruoffeneger: Er könne sich nicht vorstellen, „dass ein Regierender, der die Richtlinienkompetenz hat, so etwas nicht zu Kenntnis nimmt“. Ob Wowereit eingebunden war, wird sich allerdings so leicht nicht herausfinden lassen.

Die Grundstücksverpachtung zum Vorzugspreis könnte andere Sportvereine auf die Idee bringen, ihre Grundstücke ebenfalls zu günstigeren Pachtzinsen zu bekommen. Davon aber ist beim Landessportbund noch nichts zu hören. Präsident Klaus Böger sage zu der Sache nichts, sagte eine Sprecherin. Das könnte eher politische als sportliche Gründe haben: Böger war unter Wowereit lange Bildungssenator. Werner van Bebber

0 Kommentare

Neuester Kommentar