Hundeführerschein : Schäferhund könnte als gefährlich eingestuft werden

Rot-Schwarz in Berlin geht in den Endspurt der Koalitionsverhandlungen. Dabei könnte es einem Haustier-Klassiker an den Kragen gehen.

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Guckt lieb, kann aber auch zubeißen: der Deutsche Schäferhund.
Guckt lieb, kann aber auch zubeißen: der Deutsche Schäferhund.Foto: dpa

Der Deutsche Schäferhund ist einer der beliebtesten Hunde, er gilt als wachsam und klug. Doch er ist laut Statistik auch überdurchschnittlich bissig, obwohl er nicht auf der Liste der gefährlichen Hunderassen steht. Allein im vergangenen Jahr wurden in Berlin 79 Fälle gemeldet, „in denen Menschen verletzt oder gefahrdrohend angesprungen wurden“, wie es in einer Liste der Gesundheitsverwaltung heißt, die die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling regelmäßig abfragt. Schäferhunde beißen danach mehr als dreimal so häufig zu wie die elf gefährlichsten Rassen zusammen. Die kommen nur auf 26 Attacken.

SPD und CDU denken wie berichtet über eine Erweiterung der sieben Jahre alten Liste und die Einführung eines Hundeführerscheins nach. Welche Rassen dann betroffen sein würden, wolle man mithilfe der Bissstatistik und der Erfahrungen der Veterinärämter herausfinden, sagt SPD-Vize Marc Schulte. Über den Schäferhund müsse man jedenfalls diskutieren. Jedoch sollten eher zu viele als zu wenig Rassen betroffen sein, denn ein gefährlicher Hund könne schnell zur Waffe werden. Damit dies nicht passiert, müssen Halter von Kampfhunden der Rasseliste bereits jetzt beim Veterinäramt ihre Sachkunde nachweisen. Das müssten die Berliner dann auch für den Hundeführerschein. Bisher müssen Halter erst nach Bissvorfällen ihre Tauglichkeit beweisen. „Die Halter sind da sehr uneinsichtig, da ist eine Sorgfaltspflicht nötig“, sagt Schulte. Wenn der Senat gebildet sei, werde es rasch Gesetzentwürfe geben, ist Schulte überzeugt.

Vorsicht, bissig!
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03.11.2011 08:29Allein 79 Beißattacken gehen auf Schäferhunde zurück, sagt ein Bericht aus dem Jahr 2009. 2008 waren es noch wesentlich mehr,...

In Berlin sind etwa 105.000 Hunde gemeldet, dazu kommen geschätzt 50.000 weitere – müssen bald alle Berliner Halter eine Prüfung ablegen? Nein, sagt Schulte. Den Schein bräuchten nur die gefährlichen Rassen, die machten nicht den Großteil aus. Halter, die sowieso mit dem Tier in der Hundeschule trainierten, könnten ihn ohne Prüfung bekommen.

Grünen-Tierschützerin Hämmerling kritisiert die Erweiterung der Rasseliste als „kaum praktikabel“. Es sei kaum möglich, alle Rassen auseinanderzuhalten, insbesondere bei den Mischlingen. Hämmerling will einen Hunde-Tüv für Tiere, die über 40 Zentimeter groß und 20 Kilo schwer sind. Sachverständige sollten Halter und Hunde prüfen; wer durchfalle, solle das Tier abgeben. „Hundehaltung kostet sowieso Geld, das muss man sich im Vorfeld überlegen“, sagt Hämmerling zur Befürchtung der Berliner, künftig mehr für ihre Lieblinge zahlen zu müssen.

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Den Führerschein für alle Halter will Marcel Gäding vom Tierschutzverein. „Die Gefährlichkeit muss individuell festgelegt werden“, sagt er, das zeige die Erfahrung. Die Rasseliste sei nur ein hilfloser Versuch, die Bissvorfälle zu reglementieren. Wenn man sie erweitere, würden nur noch mehr Tiere ins Heim gesperrt, die nicht vermittelbar seien. Die derzeit 160 Kampfhunde im Tierheim kosten den Verein im Jahr 800 000 Euro. Niedersachsen habe bereits die Rasseliste abgeschafft und einen für alle verbindlichen Führerschein ab 2013 eingeführt.

Sogar Andreas Ebel vom Verein für Deutsche Schäferhunde befürwortet einen Führerschein für alle. Er nimmt die Schäferhunde in Schutz. Allein sein Verein züchte 15.000 Welpen im Jahr. Da sei es nur logisch, dass die Rasse in der Statistik öfter auftauche als kleinere Populationen anderer Rassen.

In den Bezirken stoßen die Ideen der Koalition auf Verständnis. Man solle aber nicht neue Aufgaben ohne mehr Personal verteilen, sagt Reinickendorfs Stadtrat Martin Lambert (CDU). SPD-Vize Schulte, auch Ordnungsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, glaubt, dass der Führerschein die Arbeit der Ämter erleichtere. Man wüsste dann, dass die Halter die gefährlichen Hunde im Griff hätten. Sein Amtskollege Joachim Wenz aus Friedrichshain-Kreuzberg glaubt auch, dass so die Zahl der Attacken verringert werden könnte. Ein Schein für alle Halter sei nicht sinnvoll. Das sei Leuten, die nur einen Pudel hätten, nicht zu erklären.

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