ICC : Liebesgrüße aus China

Der Wirtschaftssenator Harald Wolf gibt dem ICC aus Fernost eine Chance. Der Abriss ist vom Tisch – die Sanierung aber noch nicht beschlossen.

Christian van Lessen
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Raumschiff am Messedamm. Der utopisch wirkende Entwurf des ICC war stets umstritten. Seine Leistung als Messestandort ist es...Foto: ddp

Wie sieht’s aus für das ICC? „Es bleibt“, lautet die jüngste Senatsauskunft aus China. „Es sieht so aus“, vermeldet Wirtschafssentor Harald Wolf (Linke) auf seiner Dienstreise. Die Sanierungskosten, das sagte er nicht, sollen mindestens 130 Millionen Euro betragen. Der Senat will sich am 27. Mai – in Berlin – die jüngsten Gutachten vorlegen lassen und eine Entscheidung treffen. Die wurde allerdings schon mehrmals angekündigt. „Die jährlichen Verluste des ICC sollten mit den Kosten eines Neubaus und Abrisses verglichen werden“ , sagte der SPD-Abgeordnete Hermann Borghorst – Anfang 2001. Da war erstmals von Abriss die Rede. Noch immer ist die Zukunft des Internationalen Congress Centrums am Messedamm nicht beschlossene Sache.

Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) sprach vor sieben Jahren von Gedankenspielen und einem „langwierigen Prozess“. Seither muss das 1979 eröffnete ICC, Berlins erster Milliardenbau, mit dem Ruf leben, ein Abrisskandidat zu sein. Ein Ruf, der ihm international offenbar wenig schadet. Vor drei Jahren schien der Abriss fast schon beschlossene Sache: Das Architekturbüro gmp hatte die Sanierung des ICC auf rund 150 Millionen Euro geschätzt,den Umbau einiger Säle auf weitere 70 Millionen Euro, den Abriss auf 30 Millionen Euro. Einen Neubau auf dem Gelände der Deutschlandhalle könne man für 65 bis 75 Miillionen Euro errichten. Der Senat zeigte sich interessiert, entschied sich aber nicht.

Im letzten Jahr gab die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein neues Gutachten in Auftrag, Ende 2007 drei weitere „unabhängige“ Gutachten, die eine bezahlbare Rettung des sanierungsbedürftigen Kongress-Riesen in Aussicht stellten. Auch ein neues Kongress-Centrum, so der Tenor, ließe sich nicht unter 100 Millionen Euro bauen und erfordere hohe Betriebskosten. Die SPD-Fraktion hatte sich schon zuvor für eine Sanierung des damals so teuren ICC stark gemacht.

Wirtschaftssenator Harald Wolf, der sich lange für einen Kongress-Neubau eingesetzt hatte, zeigte sich in den letzten Wochen ICC-versöhnlicher, ohne aber, wie seine Senatskollegen, klar Stellung zu nehmen. Die Gutachten wurden vom Senat wie Geheimpapiere unter Verschluss gehalten,was die Fraktionen erbost. Die Opposition kritisiert „Geheimniskrämerei und ständige Verschiebungen von Entscheidungen“. Für den 15. April „spätestens“ war ein Sanierungsbeschluss für das ICC angekündigt – und verschoben worden. Nun soll am Dienstag in acht Tagen eine Entscheidung fallen. Wenn Harald Wolf am Freitag in China sagt, dass es „so aussieht“, als bliebe das ICC erhalten, so dürfte er auf den Koalitionspartner eingeschwenkt sein und sich mit der Sanierung abgefunden haben. Auch Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hatte vor zwei Monaten diese Lösung für wahrscheinlich gehalten. Allerdings gehen die Kostenschätzungen bis in eine Höhe von 250 Millionen Euro. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklungs führte bereits Gespräche mit dem Architekten des ICC, Ralf Schüler, der urheberrechtlich an den Sanierungs- und Umbauarbeiten beteiligt werden müsste. Im Gespräch ist der Abriss des Parkhauses für kleinere und mittlere Kongressflächen. Die Sanierung ist bei laufendem Betrieb geplant, das Haus ist auf Jahre gebucht, inzwischen von elf Millionen Gästen besucht und mehrmals als weltbestes Kongresszentrum ausgezeichnet worden. Die hohen Betriebskosten von jährlich rund zwölf Millionen Euro sind sein größtes Manko.

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