Ihre Meinung : Ist die Gehaltserhöhung für junge Lehrer gerechtfertigt?

Berlin will seine Junglehrer halten: Bis zu 1200 Euro brutto mehr im Monat sollen den Wegzug in andere Bundesländer stoppen. Doch ist die Zulage gerecht, mitten in der Finanzkrise? Was meinen Sie?

Sabine Beikler,Susanne Vieth-Entus
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Abwerbungsversuch. Mit diesem Plakat versucht Baden-Württemberg, junge Lehrer aus der Hauptstadt wegzulocken. -Foto: Mike Wolff

BerlinBerlin - Das Land Berlin zahlt angestellten Junglehrern künftig mehr Gehalt, um ihre Abwanderung in andere Bundesländer zu stoppen. Sie erhalten bis zu 1200 Euro brutto mehr im Monat, das sind etwa 46 Prozent mehr als bisher. Das beschloss der Berliner Senat am Dienstag und reagierte damit auf den Wegzug vieler Lehrer in andere Bundesländer, die höhere Einstiegsgehälter zahlen. Zusätzlich werden 300 Referendarplätze zu den derzeit 1900 Stellen eingerichtet. Auch die Zahl der Lehramtsstudenten wird von 850 auf 1000 in einem Jahrgang erhöht.

„Das ist ein Schritt, der viel Geld kostet“, sagte am Dienstag Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Die jährlichen Mehrkosten betragen rund 30 Millionen Euro, die im Haushalt eingestellt werden müssen. Es gebe jedoch „zunehmend Nachfrageprobleme“ bei Lehrern, sagte Wowereit. Mit der Erhöhung der Lehrergehälter wolle Berlin das Gehaltsgefälle im Vergleich zu anderen Bundesländern „deutlich reduzieren“, sagte Wowereit. Durch den „erheblichen Gehaltszuwachs“ hätten junge Pädagogen auch keinen Grund mehr, in andere Bundesländer zu gehen.

In Berlin wird es allerdings auch in Zukunft nur angestellte Lehrer geben. „Wir lassen den Beamtenstatus auslaufen. Das ist Konsens im Senat“, sagte Wowereit. In der Hauptstadt arbeiten zurzeit rund 6000 angestellte und 20 000 verbeamtete Lehrer.

Nach einer Gehaltskürzung im Sommer vergangenen Jahres hatte das Land Berlin bereits ab Februar die Gehälter der neu angestellten Lehrer um rund 400 auf 3090 Euro brutto erhöht. Im August sollen dann alle angestellten Lehrkräfte noch einmal bis zu 800 Euro brutto mehr erhalten. Zum Vergleich: Ein Junglehrer erhielt in Berlin bisher gut 2 600 Euro brutto (rund 1580 Euro netto), seit Februar sind es 3090 Euro (1780 Euro netto). Mit der neuen Eingruppierung steigt sein Gehalt ab August auf etwa 3846 Euro (2120 Euro netto). Somit erhöht sich das Nettogehalt von Neueinsteigern in Berlin um insgesamt 540 Euro.

Die Berliner Lehrerinitiative „Verbeamtung. Jetzt!“ würdigte den Senatsbeschluss als „Schritt in die richtige Richtung“, der allerdings nicht ausreiche. „Das Grundproblem ist nicht gelöst, solange Berlin nicht verbeamtet“, sagte am Dienstag der Sprecher der Initiative, Torsten Ulrich. Denn die Beamten in Berlin verdienten nach Ulrichs Aussage weiterhin rund 300 bis 400 Euro netto mehr und hätten zudem noch die Vorteile des Beamtenstatus, wie bessere Aufstiegschancen und eine bessere soziale Absicherung.

Noch größer sind die Gehaltsunterschiede im Vergleich zu den anderen Bundesländern. Baden-Württemberg startete gerade eine große Abwerbekampagne: Dort bekommen die Lehrer neben dem Beamtenstatus auch noch bis zu 600 Euro mehr als Berlin nach der jetzigen Gehaltszulage zahlen wird. Zudem muss man im ersten Jahr weniger arbeiten. Hamburg zahlt ebenfalls mehr und hilft Neuankömmlingen sogar bei der Wohnungssuche.

Die bildungspolitischen Experten der Opposition kritisierten, dass der Senat zu spät handelt. Sascha Steuer (CDU), sagte: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum der Senat erst handelte, als er sich einem regelrechten Exodus von jungen, gut ausgebildeten Pädagogen gegenübersah.“ Özcan Mutlu von den Grünen findet, die geplanten Maßnahmen seien ein „überfälliger und richtiger Schritt“. Mieke Senftleben von der FDP sagte: „Mit seiner angeblichen Offensive rennt der Senat doch in Wirklichkeit nur einem bereits längst abgefahrenen Zug hinterher.“

Berlin will seine Junglehrer halten: Bis zu 1200 Euro brutto mehr im Monat sollen den Wegzug in andere Bundesländer stoppen. Doch ist mitten in der Finanzkrise eine solche Zulage gerecht? Was meinen Sie? Schreiben Sie einen Kommentar unter diesen Artikel!

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