Integration : Senat will Zwangsverheiratungen noch stärker bekämpfen

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Zwangsverheiratungen in Berlin rapide angestiegen. Ressortübergreifende Maßnahmen gegen die erzwungenen Ehen fördert der Senat zwar seit langem, es soll sich aber noch mehr ändern.

BerlinBerlin ist nach Einschätzung von Frauensenator Harald Wolf (Linke) eines der ersten Bundesländer, das ein ressortübergreifendes Konzept zur Bekämpfung von Zwangsverheiratungen vorgelegt hat. Noch gebe es keine gesicherten Daten über das Ausmaß der erzwungenen Ehen in Berlin, sagte Wolf am Montag. Umfragen im Umfeld Betroffener - beispielsweise bei Lehrern und Ärzten - hätten aber gezeigt, dass die Zahl der drohenden sowie der bereits vollzogenen Zwangsverheiratungen ansteigt.

Dieser Tage jährt sich zum vierten Mal der Todestag der Kurdin Hatun Sürücü, die am 7. Februar 2005 von ihrem Bruder auf offener Straße erschossen worden war. Die Mutter eines kleinen Kindes hatte sich für ein Leben entschieden, das mit den Vorstellungen ihrer Familie nicht vereinbar war.

Zwangsehen: "moderne Form der Sklaverei"

Wurden die Fälle angedrohter und bereits vollzogener Zwangsverheiratungen in Berlin 2002 mit etwa 220 beziffert, seien es 2007 bereits 378 gewesen, sagte Wolf. Die Dunkelziffer liege jedoch vermutlich weitaus höher. Allerdings würden die Zahlen auch belegen, dass das Thema nicht mehr tabu, sondern inzwischen auch in der Öffentlichkeit präsent sei, sagte der Senator weiter. Der Senat habe in den vergangenen Jahren Maßnahmen zum Schutz der Frauen ergriffen, Initiativen gegründet und Beratungsangebote geschaffen.

Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) erinnerte daran, dass der Mord an Hatun Sürücü weit über Berlin hinaus eine heftige Debatte über Zwangsehen, Gewaltverbrechen sowie Versäumnisse der Integrationspolitik ausgelöst habe. Es sei wichtig, die Erinnerung an den Mord wachzuhalten, um für die Anerkennung der Grundrechte in der Gesellschaft zu kämpfen. Zwangsverheiratungen seien eine "moderne Form der Sklaverei". Es müsse sich noch viel ändern, um den Betroffenen effektiv zu helfen.

Am Samstag (7. Februar, 10 Uhr) ist in Erinnerung an Hatun Sürücü am Tatort Ecke Oberlandstraße/Oberlandgarten in Tempelhof eine Mahnwache geplant. Initiator ist die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes. (nal/ddp)

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