Integration : Streit um Kopftuch- Broschüre des Senats

Die Broschüre heißt "Mit Kopftuch außen vor?" und wird seit Juli von der Verwaltung der Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) herausgegeben. Frauenrechtlerin Seyran Ates kritisiert das Heft als "einseitiges Pamphlet".

Sabine Beikler
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Streitfall Kopftuch. -Foto: dpa

Die Broschüre heißt „Mit Kopftuch außen vor?“ und wird seit Juli von der Verwaltung der Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) herausgegeben. Sie soll „auf die Situation muslimischer Frauen mit Kopftuch aufmerksam machen, über die verschiedenen Beweggründe, ein Kopftuch zu tragen, informieren (...), den Frauen Mut machen und insbesondere bestehenden Diskriminierungen entgegenwirken“, schreibt Knake-Werner im Vorwort. Doch die Frauenrechtlerinnen Seyran Ates und Serap Cileli kritisieren die 18 Seiten dünne Broschüre heftig: „Das Pamphlet ist viel zu einseitig und geht mit keinem Wort darauf ein, dass Musliminnen, die kein Kopftuch tragen, von Kopftuch tragenden Frauen diskriminiert werden“, sagte Ates dem Tagesspiegel. Knake-Werner falle damit „säkularen Musliminnen in den Rücken“.

Es gebe in der islamischen Welt sehr wohl Positionen, die das Kopftuch für nicht mehr zeitgemäß hielten: Frauen müssten ihre weiblichen Reize in dieser Gesellschaft nicht mehr verdecken, um keine sexuellen Übergriffe zu erleiden, sagte Ates. Serap Cileli sagte im Magazin „Focus“, mit dieser Broschüre mache man einen „Kniefall vor den Fundamentalisten“.

Der Integrationsbeauftragte Günter Piening verteidigt den Inhalt der Broschüre. Ziel sei es nicht, eine Kopftuch-Debatte zu führen, sondern die „Diskriminierung von Kopftuch tragenden Frauen beim Zugang zum Arbeitsmarkt zu verhindern und sie über ihre Rechte aufzuklären“, sagte Piening. Er sei „sehr verwundert“ über die Kritik an dem Heft, da es ja wohl auch Anliegen der Frauenrechtlerinnen sei, Kopftuch tragende Musliminnen in den Arbeitsmarkt zu integrieren statt sie „zu Heim und Herd zu zwingen“.

Das Heft zeigt die Rechtslage auf, erläutert das Neutralitätsgesetz und kommt dann auf „Diskriminierungserfahrungen“ zu sprechen. Dafür liegen laut Verfasser mehrere Gespräche mit 30 Musliminnen, einer Leiterin einer Erziehungsschule und einem Vertreter einer islamischen Religionsgemeinschaft zugrunde. Zudem seien sieben Projekte für Migrantinnen befragt worden. In dem Heft werden mehrere Fallbeispiele dargestellt, wie und wo Kopftuch tragende Frauen diskriminiert wurden: am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche, in Schulen, Kitas oder in Krankenhäusern. Dass es sich dabei aber um keine repräsentativen Belege handelt und Zahlen fehlen, wird zwar erörtert. Dennoch kommt Knake-Werners Verwaltung zu dem Schluss, dass ein „hohes Maß an Diskriminierungen muslimischer Frauen aufgrund ihres Kopftuchs“ bestehe.

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