Jugend-Parlament : Germany’s next Volksvertreter

Bis Dienstag spielen 308 Jugendliche im Reichstag Parlament. Zu den großen Talenten unter den Teilnehmern gehört der frischgewählte APD-Fraktionsvorsitzende Nils Nabiar, der sich mit leidenschaftlichen Redebeiträgen gegen seine drei Konkurrenten durchgesetzt hat – und ein bisschen an den jungen Joschka Fischer erinnert.

Rita Nikolow
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Die erste Wahl. Am Sonntag stimmten die Sozialdemokraten über ihren Fraktionsvorsitzenden ab – der im echten Leben in der...

BerlinTheodor Heuss macht jetzt mal ein paar Tage Pause vom Liberalismus. „Ich bin hier bei der Konservativen gelandet“, sagt der 20-Jährige, der im richtigen Leben Christian Hausmann heißt und in Mühlheim an der Ruhr Kreisvorsitzender der jungen Liberalen ist.

Hier im Reichstag, beim Planspiel „Jugend und Parlament“, ist der 20-Jährige nun bis Dienstag Mitglied der Bundestagsfraktion der konservativen Volkspartei (KVP), die für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion steht. Die Parteien heißen alle anders in diesem Politikexperiment, die SPD ist die „Arbeiterpartei Deutschlands“ (APD), die FDP ist die „Liberale Reformpartei“ (LRP), die Linkspartei die „Partei der sozialen Gerechtigkeit“ (PSG) und die Grünen die „Ökologisch-soziale Partei“ (ÖSP). Ganz egal, welcher politischen Richtung sich die 16- bis 20-Jährigen im Privatleben verbunden fühlen: Beim Planspiel entscheidet allein das Alphabet darüber, wer in welche Partei gesteckt wird. Nachnamen mit A landen in der größten Partei, der KVP, solche mit Z in der kleinen ÖSP.

„Jeder Teilnehmer bekommt von uns für die vier Tage einen neuen Lebenslauf“, erklärt Organisator Kay Wahlen. Die Namen hätten sich die Jugendlichen aber selbst ausgesucht.

Ein alter Bekannter von Theodor Heuss zum Beispiel heißt nun Thomas Gerecht und ist an diesem Vormittag zum Fraktionsvorsitzenden der LRP gewählt worden. In Mühlheim an der Ruhr, wo der 20-Jährige lebt, ist er Juso-Vorsitzender: „Aber es macht mir Spaß, dass ich jetzt mal eine andere Rolle spielen und einen anderen Standpunkt vertreten kann.“ Von Politikverdrossenheit sind die 308 Jugendlichen, die jeweils von einem Bundestagsabgeordneten für das Spiel empfohlen wurden, weit entfernt. Und bei manchen ist kaum vorstellbar, dass sie nicht selbst irgendwann Berufspolitiker werden – und ihre Kollegen in der Fraktion, den Ausschüssen und im Plenum von ihren Standpunkten überzeugen. Das alles üben die Jugendlichen in den kommenden Tagen an vier fiktiven Gesetzesinitiativen, in denen es um direkte Demokratie, Biokraftstoffe, einen Auslandseinsatz und eine Rentenreform geht.

Zu den großen Talenten unter den Teilnehmern gehört der frischgewählte APD-Fraktionsvorsitzende Nils Nabiar, der sich mit leidenschaftlichen Redebeiträgen gegen seine drei Konkurrenten durchgesetzt hat – und ein bisschen an den jungen Joschka Fischer erinnert. Wenn der 20-Jährige in der Aussprache davon redet, dass er sich nach den Beschlüssen der Agenda 2010 „in seinem Wahlkreis kaum mehr blicken lassen konnte“, nimmt man ihm das sofort ab. Politische Erfahrung hat der angehende Architekturstudent tatsächlich: Er sitzt im Stadtrat von Cottbus – allerdings für die Linkspartei.

Am heutigen Montag und Dienstag kommen die Volksvertreter im Plenum zusammen und debattieren die vier Gesetzesinitiativen. Wie sie sich dabei schlagen, ist am Dienstag ab 9 Uhr online unter www.bundestag.de und www.mitmischen.de zu sehen.Rita Nikolow

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