Jugendämter : Zöllner verspricht den Bezirken 24 Stellen für den Kinderschutz

Auf Druck aller Stadträte hat Berlins Jugendsenator mehr Personal zugesagt. Die Gesundheitsverwaltungen aber warten auch darauf.

Sabine Beikler

Alle zwölf Jugendämter erhalten zügig bis zur Sommerpause die versprochenen zusätzlichen zwei Stellen pro Bezirk für die Koordination des Kinderschutzes. Die Behörden müssen auch nicht mehr die Stellungnahme des zentralen Stellenpools abwarten, ob dort nicht doch noch geeignete Sozialarbeiter zu finden sind: Die Bezirke können jetzt unbürokratisch auch Einstellungen von außen beantragen. Das ist das Ergebnis eines gestrigen Gesprächs zwischen den Stadträten und Jugendsenator Jürgen Zöllner (SPD).

Wie berichtet, hatten die Stadträte einen Brandbrief zum Kinderschutz an den Senat geschrieben und auf die „dramatische Personalentwicklung“ hingewiesen. Bisher steht fest, dass die 24 Stellen, die der Senat den Bezirken versprochen hat, mit 14 Fachkräften aus dem Stellenpool und zehn Außeneinstellungen besetzt werden sollen. „Sollte sich herausstellen, dass das Personal aus dem Stellenpool nicht geeignet ist, können Mitarbeiter von außen eingestellt werden“, sagte Bernhard Kempf, Sprecher der Jugendverwaltung.

Völlig offen ist allerdings, wie die 72 Stellen, die bis Ende 2009 durch altersbedingtes Ausscheiden von Sozialarbeitern in den Jugendverwaltungen frei werden, neu besetzt werden. „Das ist noch in der Pipeline“, sagte Kempf. Doch genau das ist das Problem, mit dem die Jugendverwaltungen durch neue Aufgaben, die sie gesetzlich erhalten, kämpfen müssen: Die Mitarbeiter sollen nach einem angekündigten Gesetzentwurf im Bund künftig auch bei Familien genauer hinschauen, bei denen der Verdacht besteht, dass das Kindeswohl gefährdet ist.

„Das würde in Kreuzberg 50 Prozent aller Familien betreffen und in Friedrichshain 30 Prozent“, sagte Jugendstadträtin Monika Herrmann (Grüne) aus Friedrichshain-Kreuzberg. Dafür bräuchte man das Dreifache an Personal: Zurzeit arbeiten im Bezirk rund 50 Sozialarbeiter. Allein in diesem Jahr muss der Bezirk sechs bis acht freie Stellen besetzen – mit Personal, das er nicht hat.

Die Charlottenburg-Wilmersdorfer Jugendamtsleiterin Uta von Pirani fordert „Planungssicherheit“. Auch sie hat sechs offene Stellen im Jugendbereich bei 53 Sozialarbeitern. Für den Kinderschutz brauche man qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter, die Familiensituationen gut einschätzen könnten. Da seien die Anforderungen hoch. Von Pirani fordert deshalb einen Einstellungskorridor und mehr Präventionsangebote für Familien. „Wir wollen vom Senat nicht mehr Geld , sondern Personal, was wir für die Erfüllung der Aufgaben benötigen“, sagt Rainer-Maria Fritsch, Jugendstadtrat von Mitte.

Für die Gesundheitsstadträte aber geht das Warten auf ihre versprochenen 24 Stellen – pro Bezirk zwei – im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst weiter. Er fühle sich von der zuständigen Fachsenatorin Katrin Lompscher (Linke) „im Stich gelassen“, sagte der Spandauer Stadtrat Martin Matz (SPD). Wie berichtet, sollen Sozialarbeiter verpflichtende Hausbesuche bei allen Erstgeburten durchführen. Das seien rund 48 Prozent aller Geburten. Würde man die Haushalte mit Risikofaktoren hinzunehmen, käme man auf 70 Prozent. Das sei nicht umsetzbar, sagte Matz. In Spandau gebe es im Gesundheitsbereich acht Sozialarbeiter. Rot-Rot müsse jetzt auch die zugesagten Stellen im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst bewilligen, forderte Stadträtin Sibyll Klotz (Grüne) aus Tempelhof-Schöneberg. Das könne man wenigstens als „positives Signal“ werten. Sabine Beikler

0 Kommentare

Neuester Kommentar