Jugendsozialarbeit : Hilfe im Vorübergehen

"Gangway" und "Outreach" sind zwei Berlliner Projekte für Straßensozialarbeit, die sich besonders an Jugendliche richten. Eine Studie hat sich mit den Klagen über mangelnde Zusammenarbeit zwischen Streetworkern und Schulen befasst.

„Probleme? Nicht bei uns.“ Auf Jugendliche spezialisierte Streetworker bekommen das öfter zu hören, wenn sie in Schulen vorsprechen und eine Zusammenarbeit vorschlagen. Die gibt es nur in Einzelfällen mit engagierten Lehrern. Und dabei wäre gerade hier eine Kooperation wünschenswert, schließlich kennen die Straßensozialarbeiter sich mit Themen wie Drogen in der Regel besser aus als Lehrer.

Die Klage über die mangelhafte Zusammenarbeit mit Schulen war eines der Ergebnisse einer Studie, die von der Berliner Jugend- und Familienstiftung in Auftrag gegeben wurde, um die Arbeit von „Gangway“ und „Outreach“ zu bewerten, zweier Projekte für Straßensozialarbeit, die sich besonders an Jugendliche richten. 100 Streetworker wurden dazu befragt und ebenso 135 Jugendliche. Zwischen 15 und 20 Jahre alt ist die Klientel der Streetworker, 86 Prozent werden als sozial benachteiligt eingestuft, und etwa ein Drittel stand bereits vor Gericht. Die beiden Projekte würden ihre „Kunden“ daher gerne auch während Gerichtsverhandlungen und im Gefängnis betreuen, aber die Zusammenarbeit mit der Justiz, so ihre Klage, funktioniere auch nicht optimal. Immerhin soll jetzt die Arbeit mit den Schulen intensiviert werden, sagte Wolfgang Penkert von der Senatsbildungsverwaltung. Mit jährlich mehr als zwei Millionen Euro unterstütze das Land die Straßensozialarbeit.

Trotz Kritik: 80 Prozent der befragten Jugendlichen stuften die Betreuung durch die Sozialarbeiter als wichtig ein. 90 Prozent waren es bei den Kooperationspartnern wie Polizei, Arbeitsagentur und Jugendeinrichtungen. „Die Frage ist nicht, ob wir Straßensozialarbeit brauchen, sondern wo und wie wir sie einsetzen“, sagte Sigrid Klebba, Jugendstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg.

„Wir sind jeden Tag zwei bis drei Stunden unterwegs“, erzählt Silvia Rentmeister. Sie ist seit 20 Jahren bei Gangway, geht jeden Tag mit zwei Kollegen in Mitte auf Streife. Sie besuchen feste Cliquen oder versuchen, neue auszumachen, um die Mitglieder in kräftezehrender Kleinarbeit in ein geregeltes Leben zu bringen – mit Schulabschluss, Ausbildung, Beruf. Denn der größte Teil der Schützlinge schwänzt gern oder ist arbeitslos. „Am besten kommt man über die Hobbys an sie ran“, sagt Silvia Rentmeister. „Hat man für sie einen Platz zum Skaten gefunden, fragen sie uns auch nach Hilfe bei der Jobsuche. Aber man braucht als Streetworker Frustrationsresistenz.“ anr

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