Klausurbetrug : Zum Test in die Botschaft

Schulen bereiten sich auf zweiten Durchgang der Matheprüfung vor. Eine Schulklasse muss die Klausur in der deutschen Botschaft in Peking wiederholen.

Schülerdemo Foto: dpa
Die Demo. Schüler protestieren gegen die Wiedeholung der Prüfung am Potsdamer Platz. -Foto: dpa

Das Gericht hat geurteilt - nun ist klar, dass am Montag die Mathematik-Klausur wiederholt wird. In den Schulen hat deshalb die Suche nach Lösungen für all jene begonnen, die an diesem Tag auf Klassenfahrt sind oder beim Praktikum. Die exotischste Lösung gibt es für eine Schülergruppe, die in Peking weilt. Die Zehntklässler sollen in der deutschen Botschaft schreiben. Ähnliches gilt für andere Klassen, die sich im Ausland befinden. Wer auf Klassenfahrt in Deutschland ist, muss nach der Rückkehr mit den anderen Nachzüglern am 2. Juli nachschreiben.

"Die meisten Schüler haben sich inzwischen mit der Wiederholung abgefunden", sagte Christoph Walter vom Bezirksschülerausschuss Reinickendorf. Zur zweiten Demonstration gegen den Mathe-Test kamen nur etwa 150 Schüler an den Potsdamer Platz. Auch mit Protestsprüchen bemalte Schilder und T-Shirts waren kaum noch zu sehen. Dafür hatten einzelne politische Gruppierungen die Zehntklässler für sich entdeckt und waren mit Fahnen und einem Informationstisch präsent. "Das ist zwar ein bisschen mickrig, aber nicht unerwartet", sagte Max Wolter, Vorsitzender des Landesschülerausschusses. "Bei wiederholten Demos sind viele Schüler schnell gelangweilt." Christoph Walter war froh, dass überhaupt so viele gekommen waren.

Unter gelegentlichen Pfeifkonzerten und "Zöllner raus"-Rufen setzte sich der Zug hinter dem einzigen Großtransparent in Richtung Niederkirchnerstraße in Bewegung. Die meisten Teilnehmer hatten schon Montag vor dem Roten Rathaus ihren Unmut gegen die Pläne des Schulsenators kundgetan. Viel Hoffnung hatten sie nun nicht mehr, dass sich das Blatt noch wenden würde. "In erster Linie geht es mir darum, meine Meinung zu sagen", erklärte Charleen vom Humboldt-Gymnasium in Tegel, warum sie erneut dabei ist. Aus ihrer Klasse seien aber dieses Mal nur fünf Schüler mitgekommen. "Montag war es umgekehrt", sagt sie. Eines hat der Protest aber doch bewirkt, die Schüler haben in Sachen Politik kräftig dazugelernt. Kannte sie den Namen Zöllner zuvor? "Nein", schüttelt die 17-jährige Hava den Kopf. Und weiß sie jetzt, wer das ist? "Klar, der Bildungssenator." Na also. swa

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