Kulturpolitik : Ein stiller Politik-Verbesserer

Kulturunternehmer Peter Schwenkow ist seit einem Jahr CDU-Parlamentarier – aufgefallen ist er seitdem nicht, auch nicht mit Reden. Doch durch die Vermarktung von Kultur brachte er Berlin ein Stück voran.

Werner van Bebber
Schwenkow
Peter Schwenkow, 53. Kulturmanager, sitzt seit einem Jahr für die CDU im Abgeordnetenhaus von Berlin. -Foto: ddp

Peter Schwenkow redet nicht. Ein Jahr schon gehört er dem Berliner Abgeordnetenhaus an, doch zieht ihn offenbar nichts in Richtung des Rednerpults im Plenarsaal des Preußischen Landtags. Nicht mal die Fragestunde mit ihren Möglichkeiten, fragend zu polemisieren oder zu ironisieren, bewegt den Kulturmanager dazu, den ein oder anderen Senator in Schwierigkeiten zu bringen.

Was zu bedauern ist. Denn Schwenkow ist ganz sicher ein politisches und auch ein rhetorisches Talent – und er hat den Humor, der dem Abgeordnetenhaus oft fehlt. Das hat er im Wahlkampf 2006 vorgeführt, das haben sie auch in der CDU-Fraktion längst bemerkt. In seinem Wahlkreis trat er direkt gegen Klaus Wowereit an, gerade als Herausforderer auf dem Feld der Kulturpolitik, mit der sich Wowereit so gerne schmückt. Unrasiert, im blauen Blazer verteilte er Rosen auf dem Kurfürstendamm, erklärte, warum er seine Plakate hochkant aufstellen ließ – weil sie so größer wirkten –, und spottete über Bürokraten.

Dieser Unternehmer aus Hamburg, der den West-Berlinern die Waldbühne als Veranstaltungsort zurückgab und mit der Waldbühne eine Menge Geld verdient haben dürfte, bewies persönlich, dass 2006 mit der CDU etwas geschehen war. Diese demoralisierte, unmodern gewordene, schrumpfende Großstadtpartei schien einem Unternehmer den persönlichen Aufwand wert. Und Schwenkow begründete seine Bemühungen auch noch mit den Qualitäten des Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger, von denen durchaus nicht alle in der Berliner CDU in diesem Wahlkampf überzeugt waren.

Zweierlei fiel und fällt an dem Mann mit dem coolen Hamburger Akzent noch immer auf: sein Selbstbewusstsein, das so gar nicht aus der Politik gespeist wird, sondern vermutlich vom Erfolg kommt – und sein Interesse an der Politik, die er durchdringen, sich erschließen will. Jetzt sitzt er in seinem Büro am Schöneberger Ufer, trinkt Tee und verströmt das Gefühl, das ihn nichts und niemand aus der Ruhe bringen kann. Der Mann, der sein Geld mit der Vermarktung von Kultur verdient, nach London und Los Angeles reist, ist Herr seiner Zeit. Etwas von der Gelassenheit des Selfmade-Mannes hat er der Berliner CDU geliehen und tut das weiterhin: beratend, indem er in Kommissionen mitarbeitet und mit Pflüger, der ihn angeworben hat, strategische Gespräche führt.

Zehn Stunden pro Woche koste ihn die Politik, sagt Schwenkow. Und schon aus dieser Zahlenangabe spricht die Überzeugung, dass er es nicht nötig hat, so zu tun, als sei er Tag und Nacht erreichbar. Schwenkow verhehlt nicht, dass die Basisarbeit im Wahlkreis Grunewald-Halensee zu wünschen übrig lässt. Er verhehlt auch nicht, dass ihn der Berliner Politikbetrieb mit ein paar Kleinigkeiten überrascht hat, die so neu nicht sind: dass die meisten Abgeordneten fleißiger sind als die Wähler ihnen zutrauen. Dass Politik pragmatisch und kleinteilig und unspektakulär in den Ausschüssen und den Kommissionen vorangebracht wird. Im Abgeordnetenhaus „arbeiten viele von denen härter, als ich gedacht habe“, sagt er.

„Viele von denen“ – gemein machen will er sich nicht mit der politischen Klasse. Er habe „den Blick von außen immer behalten“, sagt er, und er will ihn behalten.

Doch für billige Kritik hat er nichts übrig. Spott über politische Rituale, über den Terminwahn der Vollzeitpolitiker, ihre Bemühungen um Rund- um-die-Uhr-Präsenz bei desinteressierten Wählern, über die Abgehobenheit des politischen Betriebs aus der Sicht des Unternehmers – für all das ist Schwenkow nicht zu haben. Er nimmt die Politik ernst.

Das merkt man an der Art, wie er über die wichtigen Figuren im Berliner Betrieb spricht – mit den unwichtigen gibt er sich nicht ab. Über Klaus Wowereit, mit dem er sich duzt, den er auch zu mögen scheint, sagt er, der Regierende sei „ein Showman“. Das meint er nicht negativ – schließlich ist die gute Show Schwenkows Metier. Wenn ihn etwas stört an Wowereit, dann, dass er Entscheidungen „nach der Tagesform“ treffe, sagt Schwenkow. Dann sieht er sein Gegenüber an und ergänzt: „Und zwar ausschließlich nach der Tagesform.“ Über Pflüger sagt er, dieser sei inzwischen ganz bei sich und seiner Berliner Existenz angekommen. Er glaube an das, was er sage. Das würden die Leute schon noch merken.

Für längere Arien hat Schwenkow nichts übrig, jedenfalls in der Politik nicht, für ausgeruhte Analysen ist er immer gut. Deshalb nehmen sie ihn so ernst in der CDU, dass keiner böse Worte über ihn verliert. Nur einmal gab es Reibereien: als Schwenkow beim „Schau nicht weg“-Konzert am Brandenburger Tor den Rapper Bushido auftreten ließ, den CDU-Generalsekretär Frank Henkel wegen dessen Neigungen zur Gewalt dort nicht sehen wollte. „Das ist die Musik, die unsere Kinder hören“, sagt Schwenkow – damit müsse man sich auseinandersetzen. Henkel polterte vor dem Konzert zum Schulbeginn kräftig gegen den Rapper und sagt heute: „Wir haben da beide unsere Positionen.“ Schwenkow sagt, Henkel habe „wunderbar polarisiert“. Er erinnert daran, dass Bushido Gewalt ablehne, denkt an den Erfolg des Konzerts und lacht sein kurzes trockenes Lachen.

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