Kulturpolitik : Wowereit entlässt Generaldirektor der Opernstiftung

Zwischen Klaus Wowereit und Stefan Rosinski stimmte die Chemie schon länger nicht mehr. Der Regierende Bürgermeister und Kultursenator hat den kommissarischen Opernchef jetzt abgelöst. Ein Nachfolger steht schon fest.

Christina Schultze[ddp]
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Muss gehen. Stefan Rosinski, kommissarischer Chef der Opernstiftung, ist seinen Job los. -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

BerlinAn der Spitze der 2004 gegründeten Berliner Opernstiftung gibt es erneut einen Personalwechsel. Der kommissarische Generaldirektor, Stefan Rosinski, muss das Amt abgeben. Zum Nachfolger wurde am Mittwoch vom Stiftungsrat der Intendant der Bühnen Köln, Peter F. Raddatz, ernannt. Er soll diesen Posten am 1. September antreten, der Vertrag läuft fünf Jahre. Die Opposition warf Berlins Regierendem Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) eine falsche Personalpolitik und Überforderung vor.

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Kann kommen. Peter F. Raddatz, ist bislang Intendant der Bühnen Köln. -Foto: dpa



Rosinski bleibe aber weiterhin kaufmännischer Geschäftsführer des Bühnenservices der Opernstiftung, teilte ein Sprecher der
Kulturverwaltung mit. Er hatte die Verantwortung für die Opernstiftung kommissarisch übernommen, nachdem der ehemalige
Generaldirektor Michael Schindhelm im Februar 2007 wegen andauernder Querelen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf eigenen Wunsch sein Amt niedergelegt hatte.

Auch das Verhältnis zwischen Rosinski und Wowereit, der zugleich für die Kultur verantwortlich ist, gilt seit längerem als belastet. Er hatte dem Regierungschef Ideen- und Konzeptionslosigkeit vorgeworfen.

Raddatz war zuvor unter anderem Verwaltungsdirektor der Landesbühne Niedersachsen und Kaufmännischer Geschäftsführer am Schauspielhaus in Hamburg. Daneben arbeitete er zeitweise kommissarisch als künstlerischer Leiter der Kölner Oper.

Der CDU-Kulturpolitiker Michael Braun kritisierte die Ablösung Rosinskis als „nächsten Akt in der Tragödie der Berliner Oper“. Mit dessen Rausschmiss entledige sich Wowereit eines „kritischen, aber stets am Wohl seiner Einrichtung orientierten Kulturmanagers“. Selbstständiges Denken sei in Berlin ebenso wenig gefragt wie eigenständiges Handeln, schlussfolgerte Braun. Zugleich wolle Wowereit mit der Personalie von seiner „misslungenen Berufung Jürgen Flimms zum neuen Intendanten der Staatsoper“ ablenken. Die Ernennung des 67-Jährigen war kritisiert worden, weil er nicht für einen Aufbruch stehe.

 Der FDP-Kulturpolitiker Volker Thiel betonte, der Regierende Bürgermeister sei mit seiner Funktion als Kultursenator überfordert. Erst sei Schindhelm in die „Wüste geschickt“ worden, jetzt sein Nachfolger. Es reiche jedoch nicht aus, Personen zu wechseln, wenn die Struktur nicht stimme. Die Konstruktion eines gemeinsamen Daches  aller drei Opern mit einem Generaldirektor, dessen Befugnisse und Aufgaben unklar und dessen Autorität gegenüber den einzelnen Bühnen
und den politisch Verantwortlichen gering sei, sei von Anfang an eine „kulturpolitische Missgeburt“ gewesen. Die Opernstiftung könne nur sinnvoll arbeiten, „wenn der Generaldirektor mehr ist als ein bloßer Frühstücksdirektor“. Thiel kündigte an, das Thema auf die Tagesordnung des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus zu setzen.



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