Landesparteitag : Lindner neuer Spitzenkandidat der FDP

Der neue Spitzenkandidat der Berliner FDP heißt Martin Lindner. Überraschend konnte er sich gegen den Landesvorsitzenden Markus Löning durchsetzen. Dieser sprach von einer "herben Niederlage". Auch beim zweiten Listenplatz gab es Überraschungen.

Rainer W. During

BerlinMartin Lindner ist der neue Spitzenkandidat der Berliner Liberalen für den Bundestag. Der bisherige Chef der FDP-Abgeordnetenhausfraktion setzte sich am Samstag überraschend deutlich gegen den Landesvorsitzenden Markus Löning durch. Für Lindner votierten 214 der 349 Delegierten der Bundeswahlversammlung, für Löning, der jetzt über persönliche Konsequenten aus der Niederlage nachdenken will nur 133. Gänzlich ohne Stimme blieb der dritte Bewerber, Bodo Stephan.

Vor einem knappen Jahr hatte es noch anders ausgesehen. Da unterlag Lindner im Wettkampf um den Landesvorsitz, Löning hatte damals allerdings nur 17 Stimmen Vorsprung. An der seitdem bestehenden Rivalität dürfte es auch gelegen haben, dass sich die beiden bisherigen Köpfe der Berliner Liberalen nicht im Vorfeld auf eine Verteilung der Spitzenplätze einigen konnten.

"Wir alle gemeinsam sind die Berliner Liberalen und kämpfen gemeinsam für unsere politischen Ziele", hatte Löning bei seiner Begrüßung noch die Parteifreunde beschworen. Wenn man an die Regierung wolle, müsse man Leute überzeugen, die "keine Hardcore-Liberalen" seien, sondern "noch nie FDP gewählt haben", sagte der Bundestagsabgeordnete dann bei seiner Vorstellungsrede als Kandidat. Dafür würde es eines starken Teams bedürfen, dessen "Anführer" er sein wolle.

Löning will sich sein weiteres Vorgehen überlegen

Lindner hingegen betonte, dass der Aufruf zur Geschlossenheit den innerparteilichen Wettbewerb nicht ausschließen dürfe. "Sobald die Liste steht kämpfen wir wie ein Mann und eine Frau" so der Noch-Fraktionschef. "Die Gegner stecken in anderen Parteien." Es sei "Zeit, etwas neues zu wagen", sagte Lindner zu seinem Wechsel von der Landes- in die Bundespolitik. Stillstand sei Rückschritt, auch im Abgeordnetenhaus sei es an der Zeit, "dass neue Kräfte Schwung nehmen". Im Bundestag wolle er weiter für Berlin kämpfen und seinen Beitrag dazu leisten, "dass wir Rot-Rot" in dieser Stadt ablösen. Lindner bekräftigte den Anspruch der Berliner FDP, eine aktive Rolle in der Bundespolitik der Partei zu übernehmen. "Für uns ist nicht zwangsläufig die Hinterbank reserviert. Wir sind die Hauptstadtliberalen und haben Anspruch auf einen maßgeblichen Platz auch in der Bundespolitik".

"Wir sind die Wächter der Marktwirtschaft", sagte Lindner. Dafür zu kämpfen, dass diese nicht kaputt gemacht werde, sei seine persönliche Verpflichtung. Es gelte, auch Mittelständler und kleine Unternehmen zu unterstützen. Gebraucht werde eine solide Steuerreform, bei der jeder behalte, was er verdiene und sein Geld nicht in Form von Almosen vom Staat zurück erhalte.

Auch Wechsel beim zweiten Listenplatz

Markus Löning sprach von einer "herben Niederlage", die er so nicht erwartet habe. Die Delegierten hätten mit ihrem deutlichen Votum klar gemacht, "dass sie mit Martin Lindner und nicht mit mir in den Wahlkampf ziehen wollen". Deshalb verzichtete der Landeschef auf eine erneute Kandidatur für einen der folgenden Plätze. "Weiteres werde ich mir überlegen", sagte Löning. Bei der Wahl will er sich jetzt darauf konzentrieren, als chancenloser Wahlkreiskandidat in Friedrichshain-Kreuzberg für seine Partei wenigstens ein gutes Zweitstimmen-Ergebnis zu erzielen.

Auch beim zweiten Listenplatz sprachen sich die Delegierten für einen Wechsel aus. Sie nominierten mit deutlicher Mehrheit von 193 Stimmen den stellvertretenden Landesvorsitzenden Lars Lindemann. Der bisher zweite Berliner FDP-Bundestagsabgeordnete Hellmut Königshaus hatte das Nachsehen und ging daraufhin um den dritten Platz gegen die Abgeordnete Mieke Senftleben erneut ins Rennen. Nachdem zunächst beide nicht die erforderliche, absolute Mehrheit erzielten, konnte sich Königshaus bei einer Stichwahl mit 214 Stimmen durchsetzen.

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