Landesparteitag : Linke will mehr Gemeinschaftsschulen und weniger Gymnasien

UPDATE Neues Konfliktpotential für die rot-rote Koalition: Die Berliner Regierungspartei fordert bei ihrem Landesparteitag mehr Geld und Personal für den Ausbau des Pilotprojekts Gemeinschaftsschule. Und sie will ein gleichwertiges Abitur an allen Schulen.

Lars von Törne

BerlinAuf die rot-rote Koalition kommen neue Auseinandersetzungen über die Reform des Schulsystems zu. Beim Landesparteitag der Berliner Linken am Sonnabend stimmte eine deutliche Mehrheit der rund 150 Delegierten dafür, das umstrittene Pilotprojekt Gemeinschaftsschule weiter auszubauen. Bislang haben sich 16 Schulen an dem Modellversuch beteiligt, der nach dem Willen der Linken langfristig dazu führen soll, dass es in Berlin nur einen integrierten Schultyp gibt, den alle Schüler von der ersten bis mindestens zur zehnten Klasse gemeinsam besuchen.

Fast alle Redner sprachen sich bei dem Parteitag in einem Hotel an der Landsberger Allee dafür aus, im Rahmen des Pilotprojekts weitere Schulen mit mehr Geld und Personal auszustatten. Im Haushalt 2008/9 sind für das Modellprojekt 22 Millionen Euro eingeplant. „Für die Fortführung und Ausweitung der Pilotphase sind die entsprechenden Haushaltsmittel in den Doppelhaushalt 2010/11 einzustellen“, beschlossen die Delegierten. Die Linken erwarten harte Verhandlungen in den nach der Sommerpause offiziell beginnenden Haushaltsberatungen.

Schüler sollen bei schlechten Leistungen nicht mehr die Schule wechseln müssen

Außerdem beschlossen die Linken, dass die kürzlich vom Senat beschlossene Sekundarschule – nach Vorstellungen des Bildungssenators künftig die einzige Schulform neben dem Gymnasium - so weit aufgewertet werden soll, dass sie „eine gleichwertige Alternative zum Gymnasium“ werden kann.

Das will die Linke erreichen, indem gleiche Auswahlverfahren für beide Schultypen gelten, indem Schüler bei schlechten Leistungen nicht mehr vom Gymnasium „abgeschult“ werden können und indem beide Schulformen gleichermaßen den Weg zum Abitur ermöglichen. Ziel der Linken ist es, „innerhalb der nächsten zehn Jahre die Abiturquote in Berlin auf zwei Drittel eines Altersjahrgangs zu erhöhen“.

Das Gymnasium ist nur ein "Zwischenschritt" auf dem Weg zur neuen Schulform

Die Delegierten machten deutlich, dass sie ihr ursprüngliches Ziel einer einheitlichen Schulform für alle Schüler durch Zöllners Reform gefährdet sehen. Für den Linken-Bildungspolitiker Steffen Zillich droht durch die vom Senat getragene Reform die Gefahr, dass die von der Linken zum Vorzeigeprojekt erkorene Gemeinschaftsschule ein „Auslaufmodell“ wird. Über das bisherige Festhalten des Senats am Gymnasium heißt es im Parteitagsbeschluss: „Dieser Weg birgt – da er die auslesende Gliederung des Schulsystems letztendlich nicht überwinden kann – die Gefahr in sich, in die Sackgasse der endgültigen Zweigliedrigkeit zu führen.“ Deswegen müsse die Pilotphase Gemeinschaftsschule ausgebaut und gestärkt werden. Die Linke will dafür kämpfen, dass sowohl die Gemeinschaftsschule als auch – für eine Übergangsphase – die neue Sekundarschule personell und finanziell besser ausgestattet werden, um mehr Schüler individuell zu fördern. „Die Linke steht nicht für Schulreformen zur Verfügung, die nicht vernünftig finanziert sind“, heißt es im Parteitagsbeschluss.

Das Gymnasium, das Bildungssenator Zöllner sowie weite Teile des Koalitionspartners SPD erhalten wollen, ist für die Linke nur ein „Zwischenschritt“ zu dem Ziel, alle Schüler in einer Schule zu unterrichten, bekräftigte Linken-Fraktionschefin Carola Bluhm.

Über die einst heiß umkämpfte Sozialquote wurde nicht mehr diskutiert

Unterstützung bekamen die Linken von der GEW-Vorsitzenden Rosemarie Seggelke, die sagte: „Nur eine eingliedrige Schulstruktur kann die soziale Herkunft vom Bildungserfolg entkoppeln.“ Robert Giese, Direktor der Neuköllner Fritz-Karsen-Schule, die seit Jahrzehnten Schüler von der ersten bis zur 13. Klasse gemeinsam unterrichtet, forderte die Linken auf, sich in der Koalition gegenüber der SPD dafür stark zu machen, dass Gemeinschaftsschulen stärker gefördert werden.

Bemerkenswert wenig debattiert wurde am Sonnabend ein Rückzieher, den die Linken-Parteiführung vor wenigen Tagen vollzogen hatte. Der Landesvorstand hatte kurzerhand die umstrittene Quote für sozial Benachteiligte an Gymnasien aus dem Leitantrag für den Parteitag gestrichen, da die Idee in der Öffentlichkeit auf breite Ablehnung gestoßen war. Von den Delegierten wurde dieses Thema kaum noch erwähnt.

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