Landesunternehmen : Rot-Rot steht zur Werbekampagne der Wasserbetriebe

Die neue Reklame der Wasserbetriebe entfacht eine Debatte: Warum sollte das Monopol-Unternehmen viel Geld für Werbung ausgeben, während die Wasserpreise einen Spitzenwert erreicht haben?

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Roter Schnabel, Kulleraugen, knallgelbes Kükenkleid: Die Quietscheentchen auf den Plakaten der Berliner Wasserbetriebe sollen ein Sympathieträger sein. Doch die neueste Werbekampagne der Wasserbetriebe löst nicht nur Freude aus. Der Landesrechnungshof sowie die Grünen und die FDP im Abgeordnetenhaus rügen fast gleichlautend, dass dafür Gelder in Millionenhöhe „nutzlos ausgegeben werden“. Die Wasserbetriebe hätten ein Monopol, sie müssten nicht werben. Sie sollten das Geld besser in Service und Innovationen stecken. Aus Sicht der Grünen und der Liberalen ist auch die Werbung anderer konkurrenzloser Landesbetriebe wie der BSR oder BVG aus dem gleichen Grund überflüssig. Senat und rot-rote Koalition unterstützten hingegen am Dienstag deren Image- und Aufklärungskampagnen.

Rund eine Million Euro kostet die derzeitige Werbeaktion der Wasserbetriebe. Auf Plakaten, Anzeigen und Flyern posiert das Entchen neben Wasserhähnen, Gießkannen oder unter der Brause, wirbt dabei für die Qualität des Berliner Trinkwassers und macht klar, wofür es alles gut ist: zum Trinken, Bäume wässern, duschen. „Das ist doch unsinnig“, sagt Heidi Kosche von den Grünen. „In Berlin sind wir ohnehin auf die Wasserbetriebe angewiesen.“ Es wäre vernünftiger, die Werbeausgaben in „die Modernisierung des Rohrnetzes, verbesserten Service oder niedrigere Wasserpreise“ zu stecken. Kosche: „Das Image der Wasserbetriebe, der BSR, BVG oder anderer Landesunternehmen steht und fällt doch allein mit gutem Service und günstigen Preisen.“ Imagewerbung sei Rosstäuscherei.

Der Landesrechnungshof hatte die Wasserbetriebe bereits in seinem jüngsten Jahresbericht wegen ihrer Imagekampagnen kritisiert. Allerdings stellten die Rechnungsprüfer nicht generell die Werbeanstrengungen aller Landesbetriebe infrage, sondern betrachteten speziell das ungünstige Umfeld für die Kampagne der Wasserbetriebe. Die heftige Debatte über zu hohe Wasserpreise in Berlin habe deren Ziel, ihr Image aufzupolieren, „negativ überlagert“. Damit seien 4,4 Millionen Euro, die von 2005 bis 2008 dafür ausgegeben wurden, „völlig nutzlos“ gewesen.

Der aktuelle Berliner Wasserpreis von etwa fünf Euro für 1000 Liter ist bis heute im bundesweiten Vergleich ein Spitzenwert. Auch die FDP-Fraktion würde es deshalb lieber sehen, „dass die Wasserbetriebe ihren Werbeetat zugunsten besserer Tarife streichen“. Im Übrigen sei es für den Senat ein Leichtes, „die Imagekampagnen aller Landesbetriebe zu kippen“.

Das aber will der zuständige Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) gar nicht. Auch Berlins Landesbetriebe müssten die Möglichkeit haben, „ihre Leistungen öffentlich darzustellen“, teilte er am Dienstag mit. Er habe aber den Wasserbetrieben empfohlen, künftig „stärker Verbraucherinformationen“ in den Mittelpunkt ihrer Werbung zu stellen.

Das sei ohnehin schon der Fall, sagt Unternehmenssprecherin Catrin Glücksmann. So rechne man in der EntchenWerbung vor, dass es nur 83 Cent koste, einen Straßenbaum an 60 Sommertagen täglich mit drei Litern zu begießen. Glücksmann: „Solche Informationen werden aber nur aufmerksam beachtet, wenn unser Unternehmen zugleich als sympathisch und leistungsstark wahrgenommen und entsprechend ernst genommen wird.“ Aufklärung und Imagewerbung müssten sich deshalb ergänzen.

So sieht man es auch bei der Stadtreinigung. Seit vielen Jahren legt die BSR ihren Werbemännern in Orange Wortspielereien rund um die Müllvermeidung oder -trennung in den Mund. „So verbinden wir unsere Imagekampagne mit Umweltschutzzielen“, sagt BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Eine Strategie, die auch von den rot-roten Koalitionären SPD und Linke als sinnvoll angesehen und von der CDU ebenfalls unterstützt wird. „Solange die Kosten im Rahmen bleiben, ist das doch okay“, sagt SPD-Geschäftsführer Christian Gaebler. Landesunternehmen müssten die gleiche Chance wie Privatfirmen haben, ihre Akzeptanz zu steigern. Schließlich würden sie ja „sinnvolle Dinge“ leisten – zum Beispiel auch die Verkehrsbetriebe. Gaebler: „Wir wollen doch mehr BVG-Fahrgäste, also muss geworben werden.“

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