Landwehrkanal : Schifffahrtsamt fällte mehr Bäume als bisher bekannt

Der Streit um den Kahlschlag am Landwehrkanal geht weiter: Die Grünen kritisieren das Verkehrsministerium.

Der Streit um abgeholzte Bäume am Landwehrkanal geht weiter. Für Verwirrung sorgt eine Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag. Darin heißt es, das dem Ministerium unterstellte Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin (WSA) habe „insgesamt 38 Bäume zur Abwehr von Gefahren gefällt“. Das WSA sprach stets von 22 Bäumen, die am 5. Juli gerodet wurden. Die Sofortaktion sollte nach Darstellung des Amtes „Gefahr im Verzug“ abwehren. Am Kanal droht die marode Ufermauer abzurutschen. Ein Bürgerinitiative in Kreuzberg kämpft für die Rettung der Bäume.

Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele ist mit der Antwort der Bundesregierung unzufrieden. „Möglicherweise rechnet die Regierung alte Fällungen mit ein – ich rätsele da auch“, kommentiert Ströbele den Zahlensalat. Um viele Antworten drücke sich das Ministerium herum. Zum Beispiel wollten die Grünen wissen, wann genau und mit welchen Ergebnissen das WSA die Uferbefestigungen seit 1990 überprüfen ließ. Knappe Auskunft: Das Amt habe die Mauern regelmäßig inspiziert und die Gewässersohle gepeilt. Zufrieden stimmt Ströbele lediglich die Auskunft, weitere Fällungen seien nicht vorgesehen. Der Kreuzberger Abgeordnete kündigte an, trotz der Sommerpause nachzuhaken. Er wolle mit dem Ministerium auch personelle Konsequenzen erläutern. Das Vertrauensverhältnis zwischen Bürgern und Amtsleiter Hartmut Brockelmann sei zerstört.

Brockelmann war gestern nicht für Fragen zu erreichen. Er wehrte sich jedoch in einem Brief gegen Berichte in Berliner Zeitungen. Über den Morgen des 5. Juli schreibt der WSA-Chef, er habe die Fällung um 10.15 Uhr nach einem Treffen mit der Bürgerbewegung eingeleitet. Darin habe es weder eine Einigung gegeben noch neue Vorschläge, wie die Bäume zu retten seien. „Das ist eine Unverschämtheit“, sagt Ströbele über diese Darstellung. Von 150 Polizisten geschützte Arbeiter hätten bereits gesägt, als die Streitparteien noch zusammensaßen.

Das WSA habe keinen Auftrag an das Bezirksamt Mitte erteilt, Bäume am Kanal zurückzuschneiden, so Brockelmann. Das bestätigt Wolfgang Leder vom Grünflächenamt Mitte. Verantwortlich sei allein das Bezirksamt, das sich für die Stutzarbeiten aber mit dem WSA abgestimmt habe. Bis nächsten Freitag dünnen die Gärtner in Mitte die Kronen von 32 Kastanien und einer Linde an der Corneliusstraße aus. Das soll zwölf andere Bäume vor Wind schützen und die Last aufs Ufer verringern. Am Montag lässt das Bezirksamt eine fast abgestorbene Platane an der Budapester Straße fällen. Das habe mit der Gefahrenlage nichts zu tun, so Leder und Brockelmann übereinstimmend. wek

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