Mediaspree : Investor will an Hochhausplänen festhalten

Zu dicht und zu hoch: Das sagen die Vertreter der Initiative "Mediaspree versenken“ zum Bebauungsplan des Anschutz-Areals rund um die O2-Arena. Doch der Investor, die Anschutz Entertainment Group, will nicht an seinen Plänen rütteln lassen - dabei könnte auch ihm die Finanzkrise in die Quere kommen. Jetzt kommt es zum Gespräch zwischen beiden Seiten.

Ulrike Thiele
O2-Arena
Himmel über der O2-Arena: Hier sollen Hochhäuser entstehen. Die Initiative "Mediaspree versenken" ist dagegen. -Foto: dpa

Berlin"Wir können uns nicht vorstellen, den Bebauungsplan ändern zu lassen", bekräftige Anschutz-Sprecher Moritz Hillebrand am Donnerstag im Gespräch mit Tagesspiegel.de. Die Pläne für das 20 Hektar große Areal rund um die O2-Arena waren vor vier Jahren der Bezirksverordnetenversammlung in Friedrichshain-Kreuzberg einstimmig beschlossen worden. Dort soll ein neues Viertel mit Büros, Wohnungen und kulturellen Einrichtungen entstehen - ob die noch jemand braucht, ist allerdings fraglich, denn auch in Berlin ist die Finanzkrise angekommen. Doch dem Investor geht es ums Grundsätzliche: "Eine Änderung zum jetzigen Zeitpunkt wäre ein Vertrauensbruch", so Hillebrand.

Die Initiative "Mediaspree versenken" fordert dagegen, dass der Bebauungsplan für das Anschutz-Areal nachträglich geändert wird. Die Initiative, die im Juli erfolgreich einen Bürgerentscheid gegen die Bebauungspläne auf den Weg brachte, hat einen entsprechenden Antrag im Sonderausschuss gestellt. Darüber soll am Donnerstagabend diskutiert werden. In dem Antrag fordert die Initiative, die Hochhäuser aus dem Bebauungsplan zu streichen und auf das Entertainment-Center zu verzichten. Vor der Arena sollte besser eine Freifläche entstehen, und anstelle des Entertainment-Centers wünscht sich die Bürgerinitiative Sportplätze.

Bürgermeister Schulz hofft auf einvernehmliche Lösung

Sollten diese Vorstellungen umgesetzt werden, sagte Anschutz-Sprecher Hillebrand, käme auf den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg eine Schadenersatzforderung von 50 Millionen Euro wegen Vertragsbruchs zu. Der Flächenverlust für den Investor belaufe sich auf 25 Prozent. Etwa 4500 Büroarbeitsplätze und 180 Wohnungen würden so wegfallen.

Carsten Joost von der Initiative "Mediaspree versenken" sieht es gelassen. Er schaue trotz der Ankündigung von Anschutz  mit Zuversicht auf die Diskussion im Sonderausschuss: "Er kann nicht einfach 'nein' sagen. Immerhin ist er ja zum Gespräch bereit", so Joost. Ob beide Seiten bei diesem Gespräch jedoch auf einen Nenner kommen, wird sich am Donnerstagabend zeigen.

Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) hofft auf eine einvernehmliche Lösung. "Es gibt immer noch die Möglichkeit, dass der Investor seine Pläne ändert, weil es einfach keinen so großen Bedarf an Büroflächen gibt", sagte Schulz gegenüber Tagesspiegel.de. Dann also könnten die Hochhäuser auch niedriger gebaut werden. Genau dafür könnte auch die Finanzkrise sorgen, denn die Nachfrage an Büroflächen wird tendenziell sinken, sagen Immobilienexperten voraus. "Mediaspree muss man nicht versenken. Da passiert sowieso nichts", sagte ein solcher Experte erst kürzlich.

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