Mietspiegel : Teurer wohnen in Berlin

In Berlin sind die Mieten in den letzten beiden Jahren im Durchschnitt um knapp 26 Cent pro Quadratmeter gestiegen. Einige Gegenden sind im Mietspiegel aufgewertet worden, zum Beispiel Teile von Prenzlauer Berg und die Umgebung der Bergmannstraße in Kreuzberg.

BerlinDie Mieten in Berlin sind in den vergangenen zwei Jahren weiter gestiegen. Vor allem das Wohnen in sanierten Altbauten in guter Wohnlage ist überdurchschnittlich teurer geworden. Hingegen sind die Mieten in Neubauten relativ stabil geblieben oder gesunken, wie aus dem Mietspiegel 2007 hervorgeht. Die Mietervereine lehnen das Papier wegen der zu großen Spanne der berücksichtigten Mieten ab. Dadurch seien den Vermietern nun Spielräume für Erhöhungen eröffnet. Diese werden nach Ansicht des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) von den Vermietern jedoch zur Modernisierung der Bestände verwandt und so die Betriebskosten senken.

Für den neuen Mietspiegel sind zudem auch einige Wohnlagen neu bewertet worden. Insgesamt habe es mehr als 10.000 Anpassungen gegeben, sagte Junge-Reyer. Vergeben werden die Attribute einfach, mittel und gut. Vor allem in der Gegend Unter den Linden im Bezirk Mitte, in Teilen Prenzlauer Bergs und Karlshorsts und in der Kreuzberger Bergmannstraße sei die Wohnlage heraufgestuft worden. Aufgrund dieser Bewertung kann dort eine höhere Miete verlangt werden. In Wedding und Neukölln habe es dagegen Abwertungen gegeben.

Günstige Mieten, niedrige Einkommen

Im Vergleich zum Mietspiegel 2005 seien die Preise pro Quadratmeter Wohnraum im Durchschnitt um 5,8 Prozent gestiegen, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Der Mittelwert pendele zwischen 2,71 und 7,64 Euro. Durchschnittlich koste die Miete in Berlin derzeit 4,75 Euro pro Quadratmeter (2005: 4,49 Euro). Damit sei die Situation in der Hauptstadt im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten immer noch moderat. In München koste der Quadratmeter Wohnfläche über neun Euro, in Hamburg mehr als sechs Euro. Die günstigen Mieten in Berlin seien daher auch ein wirtschaftlicher Standortvorteil, sagte die Senatorin. Sie räumte aber ein, dass ein direkter Vergleich mit diesen Städten wegen der Einkommensunterschiede nicht möglich sei.

Mit dem Mietspiegel 2007 verfügten sowohl Mieter als auch Vermieter über ein "sicheres und gerichtsfestes Instrumentarium" zur Ermittlung der ortsüblichen Vergleichsmiete. Die Übersicht ist Junge-Reyer zufolge ein "realistisches Abbild" des Wohnungsmarktes. Für den Mietspiegel wurden Daten von 8000 Wohnungen erhoben. Insgesamt gelte er für 1,2 der 1,8 Millionen Wohnungen in der Hauptstadt. Im Schnitt stehen nach Angaben der Senatorin 100.000 Wohnungen in der Hauptstadt leer.

Mieterorganisationen kritisieren neuen Spiegel

Die Berliner Mietervereine wiesen daraufhin, dass in mehr als 75 Prozent der Mietspiegelfelder der Mittelwert im Vergleich zum Spiegel 2005 gestiegen sei. Der Verkauf von 150.000 Wohnungen in den vergangenen zehn Jahren habe zu teilweise "kräftigen Mietsteigerungen geführt". Damit seien die befürchteten Folgen der Privatisierungen eingetreten, kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins, Hartmann Vetter. Bei Altbauten würde die Steigerung mitunter mehr als neun Prozent betragen. Die Anstiege sind Vetter zufolge auf eine größere Spanne der berücksichtigten Mieten zurückzuführen. Aus diesem Grund hatten die Vereine die Mitarbeit am Mietspiegel abgebrochen.

Nach Ansicht des BBU-Vorstandsmitglied Ludwig Burkardt zeigt der neue Mietspiegel, dass Berlins Wohnungsmarkt sehr dynamisch sei. Die "in einigen Segementen steigenden Mieten" spiegelten den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt wider. Allerdings würden die hohen Energie- und Müllentsorgungskosten in Berlin "das Mietwohnen wirklich verteuern". (mit ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben