Modellprojekt : Kein Gymnasium will Gemeinschaftsschule werden

Insgesamt 57 Anmeldungen gibt es für das Modellprojekt Gemeinschaftsschule. Auch die Rütli-Schule zeigt Interesse. Die Opposition bleibt ablehnend.

Susanne Vieth-Entus

Auf große Resonanz ist das Interessenbekundungsverfahren für die Gemeinschaftsschule gestoßen. Insgesamt 57 Schulen haben sich gemeldet, darunter kein Gymnasium, aber etliche Schulen, die mangels Nachfrage von Schließung bedroht sind. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) wertete es als „erfreulich“, dass immerhin sechs Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe am Modellprojekt teilnehmen wollen. Die Opposition nannte das 22-Millionen-Euro-Modellprojekt einen „Ladenhüter“ und „ideologischen Bestechungsversuch“.

Unter den 57 Interessenten sind 43 öffentliche Schulen und 14 in freier Trägerschaft, von denen jedoch neun erst in Planung sind. Neben den sechs Gesamtschulen mit Oberstufe haben sich fünf ohne Oberstufe beworben, 18 Grundschulen, zehn Real- und vier Hauptschulen, darunter die Neuköllner Rütli-Schule. Diese Resonanz übertreffe die Erwartungen, sagte Zöllner. Am 4. Juli sollen mit den interessierten Schulen die Konzepte und mögliche Kooperationen besprochen werden.

„Entscheidend für den Erfolg des Modellvorhabens ist, dass die Gemeinschaftsschule so attraktiv wird, dass sich Eltern von Schülern aller Bildungsgänge für die Gemeinschaftsschule entscheiden“, sagte Zöllner. Damit spielte er auf die Sorge an, dass – wie schon vor 30 Jahren bei der Einführung der Gesamtschulen – wieder nicht genügend Gymnasialkinder mitmachen wollen.

Geplant ist jetzt zunächst, dass alle Bewerbungen genau gesichtet und auf Ernsthaftigkeit überprüft werden sollen. Schließlich besteht die Gefahr, dass sich einige Schulen nur deshalb für das Modellprojekt interessieren, weil sie so auf zusätzliche Schüler hoffen. So ist etwa von der Heiligenseer Erpelgrund-Grundschule bekannt, dass sie im kommendenJahr keine ersten Klassen aufmachen kann. Auch sie steht auf der Liste der Interessenten. Während das Bekundungsverfahren gestern endete, läuft die offizielle Bewerbungsfrist noch bis 30. September. Im November soll entschieden werden, welche Schulen an der Pilotphase teilnehmen. Danach beginnt die Vorbereitung der Lehrer, die lernen sollen, in heterogenen Gruppen zu unterrichten: Anders als an Gesamtschulen sollen in den Gemeinschaftsschulen die Kinder nicht nach Leistungsvermögen in verschiedene Kurse aufgeteilt werden.

Dass kein Gymnasium mitmachen will, zeigt für CDU-Bildungspolitiker Sascha Steuer, dass das Projekt ein „Ladenhüter“ sei. Der Grüne Özcan Mutlu vermisst „den großen Wurf“. Mieke Senftleben (FDP) vermutet, dass einige Bewerber „aus schierer Verzweiflung“ mitmachen, weil sie durch das Projekt zusätzliches Geld für Personal bekommen.

Die Liste der Schulen im Internet:

www.tagesspiegel.de/schule

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