Moscheeverein : Hausverbot für radikal-islamische Prediger - Islam-Seminar abgesagt

Der Moscheeverein hat das für Samstag geplante Islam-Seminar abgesagt, bei dem drei der radikalsten islamistischen Prediger Deutschlands auftreten wollten. Innensenator Ehrhart Körting begrüßt die Absage.

Ulrich Kraetzer

BerlinBerliner Sicherheitsexperten und Integrationspolitiker können aufatmen: Das für Samstag angekündigte Islam-Seminar, bei dem drei der radikalsten islamistischen Prediger Deutschlands auftreten wollten, ist abgesagt worden. Das bestätigte der Vorstand der Baitul-Mukarram-Moschee in Berlin-Neukölln, in der das Seminar stattfinden sollte, am Freitag der Nachrichtenagentur dapd.
"Wir wollen mit diesen Leuten und ihrer radikalen Ideologie nichts zu tun haben", sagte das Vorstandsmitglied der Moschee Akul Miah. Die Moschee habe die Veranstaltung nie offiziell genehmigt.

Die Prediger seien der Aufforderung, Einzelheiten über das Seminar mitzuteilen, nicht nachgekommen und seien nicht willkommen. "Wenn die doch kommen, gibt's Hausverbot", sagte Miah.

Sicherheitsexperten zählen die für das Seminar angekündigten Prediger Abu Dujana, Abdullatif und Ibrahim Abou-Nagie zu den radikalsten öffentlich auftretenden Islamisten Deutschlands. In Ansprachen verherrlichen die Vertreter der Gruppe "Die wahre Religion" den Märtyrertod, legitimieren den bewaffneten "Heiligen Krieg" und befürworten die Einführung der Scharia.

Die Mitglieder des Neuköllner Moschee-Vereins erfuhren offenbar erst von der Berliner Polizei von dem radikalen Hintergrund der Prediger. Ein Beamter eines Präventionsteams soll mit dem Vorstand gesprochen haben, nachdem die dapd und mehrere Zeitungen über das Seminar und die fundamentalistischen Aussagen der Prediger berichtet hatten.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) bestätigte, dass es ein Gespräch zwischen Sicherheitsbehörden und Moschee-Vorstand gegeben habe. Er begrüßte die Absage und die klare Positionierung des Vorstands gegen Fundamentalismus. "Die drei im Internet angekündigten Prediger missbrauchen ihre Religion, in dem sie alle Nicht-Muslime aber auch alle Muslime, die nicht ihrer Meinung sind, als Ungläubige diffamieren", sagte Körting.

Zum in einer Internet-Ansprache geäußerten Bekenntnis Ibrahim Abou-Nagies, als Märtyrer sterben zu wollen, sagte Körting: "Das heißt, dass er sich im Ergebnis zum Terrorismus bekennt.". In der "offenen und toleranten Stadt" Berlin sei für derartige "Hassprediger" kein Platz.

Der verfassungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion kritisierte, vom Verfassungsschutz nicht über den Besuch der Prediger informiert worden zu sein. "Außerdem fragt man sich, warum es erst eine umfängliche Medienberichterstattung geben muss, bis unsere Sicherheitsbehörden solche Moscheevereine kontaktieren. Das Gespräch, das jetzt offenbar zur Absage führte, hätte es früher geben müssen", sagte Gram der dapd.

Der Lesben- und Schwulenverband LSVD bezeichnete die "Hasspredigten" der Vertreter der "wahren Religion" als insbesondere für Homosexuelle unerträglich. "Muslime und Nicht-Muslime müssten sich gemeinsam gegen den Islamismus wenden und ein friedliches und respektvolles Miteinander verteidigen", sagte ", sagte LSVD-Geschäftsführer Jörg Steinert.

Die Vertreter der "wahren Religion" haben die Absage offenbar noch nicht recht zur Kenntnis genommen. Die Videobotschaft mit der Einladung befand sich am Freitagnachmittag immer noch auf der Internetseite des Vereins. (dapd)

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