Neue Bürger-Hotline : Alles unter 115: So beraten Berlins Behörden

Sämtliche Behörden sind von sofort an unter der zentralen Nummer 115 zu erreichen. Wir haben schon mal den Test gemacht und zehn Fragen gestellt - mit unterschiedlichem Ergebnis und vor allem unterschiedlicher Wartezeit.

Daniel Stender

Wer die neue Behördeneinwahl 115 wählt, landet in der Warteschleife. „Wir lieben Fragen“, sagt eine freundliche Frauenstimme. Ungefähr alle dreißig Sekunden. Im Hintergrund dudeln harmonische Klavierklänge. „Der nächste freie Mitarbeiter ist gleich für Sie da“, wird versprochen. Also, Geduld haben – für unseren ersten Test der neuen Bürger-Hotline haben wir ein paar Fragen vorbereitet.

Wo kann ich einen Hundeführerschein machen?

Eine Minute in der Warteschleife. Die Frau im Call-Center fragt nach dem Wohnbezirk. Danach werden wir mit der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht verbunden. Die amtliche Tierärztin sagt, dass nur die Halter von Kampfhunden einen Hundeführerschein machen müssen.

Wir wollen im Hinterhof unsere Kastanie zurückschneiden – was ist zu beachten?

Zweieinhalb Minuten. Uns wird die Telefonnummer des Bezirksamts Tempelhof- Schöneberg genannt, denn dorthin kann noch nicht durchgestellt werden. Wir sollen uns mit dem Umweltamt verbinden lassen. Es geht aber niemand ans Telefon.

Wir möchten in unserem Garten einen Geräteschuppen bauen. Brauchen wir dazu eine Baugenehmigung?

Zweieinhalb Minuten. „Oh, je“, sagt die Dame am Apparat. Sie fragt kurz bei einer Kollegin nach. Wir werden ans Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg verwiesen, sollen nach der Bauaufsicht fragen. Doch im zuständigen Büro nimmt niemand ab.

Ich möchte im Sommer in die USA reisen. Wo bekomme ich einen Reisepass?

Dreieinhalb Minuten in der Warteschleife. Für die genaueren Einreisebestimmungen erhalten wir die Nummer der amerikanischen Botschaft. Für den Reisepass die Nummer und die Öffnungszeiten des zuständigen Bürgeramtes.

Wir möchten heiraten. Welche Unterlagen brauchen wir dazu?

Sechseinhalb Minuten. Wenn beide Heiratswilligen deutsche Staatsbürger sind und noch nicht verheiratet waren, brauchen sie beglaubigte Auszüge aus dem Geburtsregister. „Die gibt es beim Standesamt der Geburtsorte“, sagt die Mitarbeiterin. Außerdem bräuchte man einen beglaubigten Auszug aus dem Melderegister und den Personalausweis.
Ich bin am 27. April beim Volksentscheid „Pro Reli“ nicht in Berlin. Kann ich jetzt schon abstimmen und wie funktioniert das?
Viereinhalb Minuten. „Sie können Briefwahl beantragen“ – die Frau von der Hotline verbindet mit dem Leiter des bezirklichen Wahlamtes. Der geht aber nicht ans Telefon.

Ich bin Brandenburger und möchte mein Kind in Berlin an einer weiterführenden Schule anmelden. Wo kann ich mich informieren?

Zwei Minuten. Die Behörden-Hotline verbindet mit dem zuständigen Schulamt. Doch niemand meldet sich. Von der Infostelle der Senatsbildungsverwaltung, die auch Auskünfte zu diesem Thema erteilt, erfahren wir unter 115 leider nichts.

Wie und wo beantrage ich Wohngeld?

Dreißig Sekunden. Der Anrufer erhält die Durchwahl zum zuständigen Wohnungsamt. „Den Antrag gibts in jedem Bürgeramt“, heißt es. „Oder im Internet unter www.berlin.de.“

Wir empfangen Gäste aus Russland zu Besuch. Was müssen wir beachten?

Zweieinhalb Minuten. „Sie müssen ihre Gäste offiziell einladen“, lautet die Auskunft. Beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten in der Friedrichstraße 219 bekomme man dafür einen Termin. Mitzubringen seien Personalausweis und ein Einkommensnachweis im Original. Außerdem müsse eine Verpflichtungserklärung ausgefüllt werden, dass man finanziell für die Gäste aufkomme, sollten diese nicht zahlungsfähig sein. Die Erklärung kostet pro Gast 25 Euro. Mit dem abgestempelten Schreiben beantragen die russischen Gäste bei der deutschen Botschaft in Moskau ein Visum. Es gilt für drei Monate.

Ich habe meinen Führerschein in der Türkei gemacht. Wo kann ich ihn in Berlin anerkennen lassen?

Viereinhalb Minuten. Anerkennungen gibt es in der Führerscheinstelle in der Puttkammer Straße 16-18 in Kreuzberg oder in jedem Bürgeramt. Weil die Türkei kein EU-Land ist, muss eine Zusatzprüfung abgelegt werden.

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