Notdienst : Feuerwehr kämpft mit hohem Krankenstand

Die Berliner Feuerwehr hat ein Problem: Zu oft werden Mitarbeiter krank und personell ist der Rettungsdienst ohnehin unterbesetzt. Ein zentrales Problem ist zudem, dass die Wagen oft verspätet am Einsatzort eintreffen.

Torsten Hilscher
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In der Krise: Die Berliner Feuerwehr -Foto: ddp

BerlinLandesbranddirektor Wilfried Gräfling hat Nachbesserungen am seit Februar geltenden Einsatzkonzept angekündigt. Vor dem Innenausschuss des Abgeordnetenhauses sagte er umfangreiche Personal-Einstellungen, eine optimierte Mitarbeiterverteilung und die Anschaffung neuer Fahrzeuge zu. Größtes Problem der Berliner Feuerwehr sei aktuell ein hoher Krankenstand.

Gräfling zufolge lag die Krankenquote im März bei 12,4 Prozent. Den Höchststand habe die Feuerwache Lichtenberg mit 18,2 Prozent verzeichnet. Laut Innensenator Ehrhart Körting (SPD) gibt es "eine solche wie die Berliner Krankenquote in der übrigen Bundesrepublik nicht". Er forderte für die hauptstädtische Feuerwehr ein Gesundheitsmanagement, Abgeordnete sprachen sich für eine Krisenkonferenz zum Thema aus.

Körting: Überflüssige Rufe von Rettungswagen

Für Gräfling war schon abzusehen gewesen, dass das neue Einsatzkonzept mit dem vorhandenen Personal nicht auskomme. Deswegen seien bereits zahlreiche Neueinstellungen vorgenommen worden, sagte er. So habe man 64 Rettungsassistenten eingestellt. Insgesamt hätten jüngst 154 Beschäftigte zeitlich befristete Tarifverträge bekommen. Demnächst würden weitere 31 Rettungsassistenten und 85 Brandmeister eingestellt. Zugleich solle die Verteilung vorhandener Mitarbeiter optimiert werden. Grundsätzlich werde "ein gewisses Einschwingen" des neuen Einsatzkonzepts schon stattfinden, sagte Gräfling.

Für Körting im Vordergrund steht künftig die Einhaltung der sogenannten Hilfsfristen, die Zeit bis zum Eintreffen von Rettungsfahrzeugen am Einsatzort. Dies sei "ein zentrales Problem". Allerdings würden im Verhältnis zur Bevölkerungszahl in Berlin so viele Rettungswagen gerufen wie sonst nirgendwo in Deutschland. Darunter sind nach Körtings Auffassung "manche, die gar nicht gebraucht werden". Schon jetzt wäre wegen der deshalb enormen Kosten ein Klageverfahren der Krankenkassen gegen das Land anhängig.

Nach Gräflings Angaben benötigen Rettungswagen in Berlin knapp zehn Minuten zum Einsatzort. Ziel seien acht Minuten. Bei der Brandbekämpfung würden Eintreffzeiten von knapp 14 Minuten erreicht. Ausreichend seien 15 Minuten nach Anforderung.

Kritik von der Opposition

Die Opposition kritisierte Feuerwehrführung und Senat gleichermaßen. Benedikt Lux (Grüne) bezeichnete das Konzept als "in manchen Teilen Stückwerk". Auch habe der Senat viel zu spät auf die EU-Arbeitsrichtlinie, die die Grundlage des Einsatzkonzeptes bildet, reagiert. Die FDP nannte Gräflings Bericht eine "durchwachsene Bilanz". Die Linke begrüßte, dass das Konzept "nicht als Bibel" gehandhabt werde, sondern Nachsteuern erlaube.

Das seit 1. Februar geltende neue Einsatzkonzept basiert auf EU-Rahmenbedingungen. Demnach sind für Feuerwehrleute im Einsatz nur noch Wochenarbeitszeiten von 48 Stunden möglich. Bislang betrug die durchschnittliche Wochenarbeitszeit 54 Stunden, die großteils in 24-Stunden-Schichten geleistet wurden. Neuerdings sind nur noch Zwölf-Stunden-Schichten möglich. Gräfling betonte am Montag ausdrücklich, ihm sei klar, dass mit der Umstellung auf zwölf Stunden "tief in die Privatplanung eingegriffen" werde. Die Kameraden müssten öfter zum Dienst, bekämen aber netto nicht mehr. "Familien- und freizeitfreundliche Dienstplan-Modelle" seien in Arbeit. (imo/ddp)

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