Personal : An Hauptschulen sind die Deutschlehrer knapp

Die Pisa-Studie offenbart personelle Mängel in Berlin. An Gesamtschulen gibt es vor allem ein gravierendes Defizit bei Naturwissenschaften. Die Verwaltung weiß allerdings nichts von den Problemen.

Susanne Vieth-Entus

Trotz der großen Sprachprobleme an Berlins Hauptschulen gibt es in diesem Bereich offenbar nicht genügend Lehrkräfte: Mehr als jeder vierte Hauptschüler ist von einem Mangel an Deutschlehrern betroffen. Dies geht aus der aktuellen Pisa-Länderstudie hervor. Die Bildungsverwaltung konnte sich die Zahlen nicht erklären, weil es in Berlin überhaupt keinen Mangel an Deutschlehrern gibt.

Die Angaben der 19 beteiligten Hauptschulen sind allerdings eindeutig: In einem Fragebogen zu den schulischen Rahmenbedingungen konstatieren die Rektoren, dass das Defizit fast 28 Prozent der Schüler betrifft. Zum Vergleich: In Bayern beträgt der Anteil nur 8,7 Prozent, in Hamburg 11,4 Prozent. In den Mittelschulen des Pisa-Siegerlandes Sachsen – hier gibt es keine Hauptschulen – wird der Mangel nur auf 3,1 Prozent beziffert. Lediglich in Rheinland-Pfalz ist das Defizit noch höher als in Berlin.

Bei den Gesamtschulen sieht die Lage nicht besser aus. In Berlin geben 26,8 Prozent der 41 befragten Schulen an, dass sie zu wenig Deutschlehrer haben. Auch hier wird Berlin nur von Rheinland-Pfalz übertroffen. Besonders alarmierend ist bei den Gesamtschulen der Mangel an Lehrkräften in den Naturwissenschaften: Die Schulleiter beziffern den Anteil der betroffenen Schüler auf 45 Prozent. Der Unterricht muss dort also von Lehrern abgehalten werden, die die Fächer nicht studiert haben.

Viel entspannter ist die Lage an den Gymnasien und Realschulen: Ausgebildete Deutschlehrer fehlen hier kaum. Allerdings hat jedes fünfte Gymnasium nicht genug Pädagogen in den Naturwissenschaften.

Ein Teil des Mangels kann aber offenbar durch zusätzlichen Förderunterricht ausgeglichen werden: Über 80 Prozent der Hauptschulen und rund 70 Prozent der Gesamtschulen konstatieren, dass es bei ihnen Förderangebote für schwache Schüler oder Migranten gibt.

Der Leiter der Spandauer Wilhelm- Leuschner-Hauptschule, Rainer Haßelmann, erklärt den Mangel an Fachlehrern im regulären Deutschunterricht damit, dass an den Hauptschulen das Klassen- und nicht das Fachlehrerprinzip gelte: Im Sinne einer stärkeren personellen Kontinuität für die Schüler unterrichte dann eben ein Lehrer ein Fach, das er nicht studiert habe. Dagegen sei an sich nichts einzuwenden. Was ihn störe, sei eher die Tatsache, dass er schlecht planen kann: „In einem Jahr gibt es viele Förderstunden, im anderen Jahr nur wenige“, kritisiert Haßelmann. Für ihn steht fest: „Ich hätte gern mehr Deutschlehrer“.

Tatsächlich gibt es immense Defizite: In Berlin lesen drei Viertel der 15-jährigen Hauptschüler laut Pisa-Studie so schlecht, dass sie den Sinn von Texten gar nicht oder nur oberflächlich erfassen. Damit sind sie kaum ausbildungsfähig. An den Gesamtschulen trifft dies allerdings auch auf über 30 Prozent der Schüler zu und an den Realschulen auf 16 Prozent. Der Migrantenanteil an diesen drei Schulformen liegt in manchen Bezirken bei bis zu zwei Dritteln.

Angesichts der Tatsache, dass die betreffenden Schüler zu Hause überwiegend kein Deutsch sprechen, fragen sich die Schulen, wie sie gegensteuern sollen. Zum Teil setzen sie auf verstärkte Elternarbeit. Zudem hoffen die Schulen, dass die Reformen in den Kitas und Grundschulen früher oder später auch in den Oberschulen zu spüren sein werden (s. Kasten). Auf eine genügende Anzahl von ausgebildeten Deutschlehrern bleiben sie aber dennoch angewiesen.

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