Peter Kurth : Tut sich die CDU mit Talenten schwer?

Das ausgewiesene Politiktalent Peter Kurth will seine Karriere lieber in Köln fortsetzen. Dennoch sei er nie verhindert“ worden. Das sagen sogar seine Freunde in der CDU.

Werner van Bebber

Senator war er, Abgeordneter sowieso, und fast wäre er der Retter der Berliner CDU in einer ihrer Führungskrisen geworden: Peter Kurth, das bestreitet niemand in der CDU, gehört zu den ausgewiesenen Talenten in der Berliner Politik. Nun will er Berlin verlassen und Oberbürgermeister von Köln werden – was manche als weiteren Beweis dafür nehmen, dass sich die Berliner CDU mit Talenten schwertut und bräsige Funktionärstypen hier die größten Chancen haben. Ganz so sei es nicht, sagen gerade die Liberalen in der CDU – auch wenn sie bedauern, dass Kurth nun seine politische Karriere woanders fortsetzen will.

Ganz sicher jedenfalls sei der Manager und Ex-Senator nicht behindert worden, als er sich um Führungsämter bewarb. Eine Stimme nur habe Kurth gefehlt, als er 2003 bei der Wahl des Fraktionsvorsitzenden gegen Nico Zimmer antrat. Zimmer gewann damals mit 18 zu 17. Das knappe Ergebnis zeigte jedenfalls, dass die Gruppe der Kurth-Anhänger nicht nur eine marginalisierte Minderheit war. Und als Kurth eine Woche später in diesem aufgeregten Mai 2003 als CDU-Landeschef kandidierte, verlor er auch nur knapp. 149 Delegierte für Kurth, 166 für Achim Zeller: Der Mann hatte beachtlich viele Unterstützer.

Doch dann zeigte sich etwas, womit sich auch die schwertaten, die Kurth mögen: Er zog sich zurück. Damals, als die Berliner CDU eine ihrer Umbruchsituationen erlebte, hätte Kurth „Stehvermögen“ zeigen müssen, sagt einer. Er hätte in den Jahren danach, als knapp unterlegener Bewerber für den Fraktions- und Landesvorsitz, in Sachen Wirtschaft, Arbeit oder sogar Finanzen die Meinungs- und Themenführerschaft in der CDU übernehmen können. Doch Kurth trat den Rückzug an. Er legte alle Kraft in seinen Vorstandsjob beim Entsorger Alba – die Politik schien ihn nicht mehr zu interessieren. Verständlich fanden das wohl viele. Doch lag es damals nicht an der Partei und auch nicht an der Fraktion, dass Kurth politisch nicht mehr mitmischen wollte, sagen seine Anhänger von damals heute – es lag ganz allein an ihm. Wer weiß, so fragt sich einer von denen, die Kurth damals unterstützten, ob sich die Berliner CDU überhaupt auf Friedbert Pflüger eingelassen hätte – wenn Kurth zwischen 2003 und 2006 durchgehalten und sich als einer der Frontmänner der Berliner CDU profiliert hätte? Die Spitzenkandidatur gegen Klaus Wowereit wäre Kurth gar nicht zu nehmen gewesen, heißt es heute – „da war doch gar kein anderer“.

Den völligen Rückzug aus der Arena haben 2003 und danach viele bemerkt – und umso mehr bedauert, weil Kurth in so großer Entschlossenheit um die Macht in der Partei gekämpft hatte. So sagt der Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann, einer der bürgerlich-liberalen Christdemokraten, man sei stolz, dass einer aus Berlin für ein Führungsamt gehandelt werde. Doch „er geht nicht deshalb nach Köln, weil er in Berlin verhindert worden wäre“. Andere vergleichen Kurth und Friedbert Pflüger in ihrer nicht unproblematischen Einstellung zur Partei: Beide hätten sich gleichermaßen schwergetan mit der Kontaktpflege in der Partei. Sogar als Pankower Kreischef sei Kurth ein Einzelkämpfer geblieben, sagt einer, der es wissen muss. Vorher habe er die innerparteiliche „Kärrnerarbeit“ immer gemieden. Ihm fehle ein wenig „das Bierzeltige“, heißt es – das ist in einer 13 000-Mitglieder-Partei so wichtig wie das analytische Talent und der Ehrgeiz. Sogar politische Freunde haben den Eindruck, dass sich Peter Kurth eher selbst verhindert hat, als dass er verhindert worden wäre. Zumal seine politische Verbündete Monika Grütters nun ganz oben in der Berliner CDU-Führung mitmacht und Leute von Kurths Kaliber wie der Werbe-Manager Thomas Heilmann von Landeschef Frank Henkel in den Vorstand geholt worden sind. Werner van Bebber

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