Plakatschlacht im Wahlkampf : Kabbeleien unter Laternen

Startschuss für den Berliner Wahlkampf und die Materialschlacht mit Plakaten beginnt. Fast keine Straße und kein Pfahl bleiben verschont. Die Linke beklagt Masse statt Klasse. Wer investiert wie viel in die Gunst der Wähler.

von
Der Erfolg der Piratenpartei zeigt, welche politische Dynamik die digitale Revolution, das Internet und die sozialen Netzwerken in sich bergen. Die etablierte Politik tut sich damit extrem schwer.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
07.09.2011 10:07Der Erfolg der Piratenpartei zeigt, welche politische Dynamik die digitale Revolution, das Internet und die sozialen Netzwerken in...

Jetzt ist es wieder so weit: Die Laternen und Straßen Berlins werden Schauplatz des Wahlkampfs um die Sitze im Abgeordnetenhaus und in den Bezirksparlamenten. Fast 3000 große Werbetafeln und mehr als 160 000 Plakate haben die fünf etablierten Parteien bestellt. Der Aufwand geht in die Millionen. Und weil die „Wesselmänner“, so der Name der Vermieter der Großplakate, die Preise für ihre großen Werbetafeln gesenkt haben sollen, könnte die Plakatierungswut vor der Wahl größer werden denn je.

Zumal die Grünen „im Stadtbild deutlich machen wollen, dass sich die Parteienlandschaft in Berlin verändert hat“, wie Landesgeschäftsführer und Wahlkampfmanager Heiko Thomas sagt. Als zweite Kraft im Lande stehen sie in den Prognosen da, wollen die SPD im Endspurt aber noch abfangen. Helfen sollen dabei 40 000 Werbetafeln, 600 davon sind Großplakate. Ein Werbeetat von 1,1 Millionen Euro macht es möglich, mehr geben nur die Sozialdemokraten aus.

Die Genossen haben Großflächen an 800 Standorten gebucht und wollen 50 000 Laternen zieren. Eigentlich darf an jedem Pfahl nur ein Plakat hängen, deshalb kann es unter den „Klebetrupps“ der verschiedenen Parteien schon mal „kleine Kabbeleien geben“, sagt SPD–Wahlkampfleiter Rüdiger Scholz. Ein Budget von 1,7 Millionen Euro steht zur Verfügung, mehr hat keine andere Partei.

Dafür aber mehr Großplakate: 900 Tafeln will die CDU aufstellen und dazu noch 40 000 Plakate an Laternenmasten montieren. Alle Parteien wollen so einerseits die Botschaften des Landesverbandes an den Wähler bringen. Andererseits sollen die 78 Direktkandidaten der Wahlkreise und die bezirklichen Spitzen, die sich um die Bürgermeisterämter bewerben, Gesicht zeigen.

Sicher, die Wahl bringe „relative Unmengen“ an Werbung mit sich, räumt CDU-Landesgeschäftsführer Dirk Reitze ein. Die Laternenwerbung werde andererseits heute auf voll recycelbaren Kunststoffträger gedruckt. Das Verfahren bewertet Reitze durchaus zwiespältig. Vorbei seien die Zeiten, als man sich „mit Kleistern in der Partei hocharbeiten“ konnte: Früher wurden Holztafeln regelrecht tapeziert mit den politischen Papierpostern, und diese Arbeit kam durchaus dem Gemeinschaftsgefühl in der Parteibasis zugute – zumal dabei gerne auch mal der Grill angeworfen wurde, so Reitze.

Die Linke ist mit „150 mobilen Großflächen“ und 30 000 Laternen-Plakaten fast schon zurückhaltend. „Wir treten nicht in den Wettstreit ein, wer mehr Kohle rausdonnern kann“, sagt Landeschef Klaus Lederer. Zumal schon jetzt zu beobachten sei, dass die „Inhaltsleere der Wahlwerbung nicht zu überbieten ist“.

Rund 400 „Wesselmänner“ hat die FDP gebucht, 15 000 Plakate für die Laternen kommen hinzu. Auf die Wahlkampferstattung spekulieren die Liberalen nicht: „Das ist ein variabler Faktor, den man lieber nicht einplanen sollte“, sagt Wahlkampfleiter Roland Zielke.

So halten es erklärtermaßen alle Parteien: Obwohl nach der Wahl 50 Cent pro Stimme pro Jahr erstattet werden, will man nur Geld ausgeben, das schon in der Kasse ist. Das ist eine Lehre aus der Vergangenheit, in der Wahlkämpfe schon mal per Kredit finanziert wurden und bei ungünstigem Ausgang die Partei an den Rand der Pleite trieben.

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben