POSITION : Her mit der Regionalschule!

Ja zu Zöllners Vorschlägen – Nein zu ideologischer Verbohrtheit: Unsere stark gegliederte Schulstruktur führt zu sozialer Selektion und schafft vor allem für Hauptschüler ungünstige Entwicklungsbedingungen.

Özcan Mutlu

Die Auslese verschlechtert die Bildungschancen von Arbeiterkindern oder Kindern mit Migrationshintergrund. Es ist daher konsequent und richtig, dass Bildungssenator Jürgen Zöllner Vorschläge zu einer Reform der Berliner Schullandschaft unterbreitet hat. Es war höchste Zeit dafür.

Es geht nicht an, dass die Strukturvorschläge von Mitgliedern der Senatskoalition mit einer Kampfansage beantwortet werden. Dabei könnte die Linke zeigen, wie ernst sie es mit der Bildungsgerechtigkeit meint. Ihre Blockadehaltung und ideologische Verbohrtheit grenzt ganze Schülerjahrgänge aus. Zum Schaden für den Bildungsstandort Berlin. Die Koalition muss auch ihr Verhältnis zu den Gymnasien klären, wollen sie die Gymnasien abschaffen oder wollen sie diese Schulform erhalten, wie es der Regierende Bürgermeister möchte oder reformieren, wie es der Bildungssenator will.

Jetzt ist es Zeit, Tacheles zu reden – auch über die perspektivlose Hauptschule. Die Lernsituation und Arbeitsmarktperspektiven für die SchülerInnen der 50 Berliner Hauptschulen sind katastrophal. Daran ändert das Pilotprojekt Gemeinschaftsschule wenig. Es ist damit zu rechnen, dass der Problemdruck auf diese Schulform weiter steigen und die soziale Selektivität zunehmen wird. Also bringt es nichts, sieben Prozent eines Jahrganges in eine Schulform zu zwingen, bei der die Lernzuwächse hinter den kognitiven Möglichkeiten der Schüler zurückbleiben und soziale Ungleichheiten zementiert werden. Statt die unübersichtliche Schullandschaft immer mehr aufzufächern, ist es Zeit, die Vielgliedrigkeit zu überwinden und in eine übersichtliche Struktur zu überführen. Klar ist aber auch: Eine Schulreform, die ihr Gelingen allein von der Abschaffung des Gymnasiums abhängig macht, wird nicht gelingen.

Zöllners Reformvorschläge sind eine wichtige Weichenstellung: Ja, Hauptschulen gehören abgeschafft und die Gymnasien reformiert! Kein Sitzenbleiben und kein Probehalbjahr mehr. Wir müssen Haupt-, Real- und Gesamtschulen durch eine neue Regionalschule ersetzen, die allen Schülern eine Perspektive eröffnet. Individuelle Förderung muss das Grundprinzip der Regionalschule und der reformierten Gymnasien sein.

Der Autor ist bildungspolitischer Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus.

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