Prostitution : Kein Großbordell an der Potsdamer Straße

Anwohner setzen sich durch: Aus dem dreistöckigen Erotik-Geschäft an der Potsdamer- Ecke Kurfürstenstraße wird kein Groß-Puff. 3400 Unterschriften dagegen stimmten das Bezirksamt offenbar um.

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Erotik-Shop "LSD". Aus den Bordell-Plänen wird nichts. -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Berlin Die Pläne des Eigentümers Sven H. waren im Herbst letzten Jahres auf heftigen Widerstand von Anwohnern gestoßen, die eine Unterschriftenaktion starteten. Nach Informationen der Zeitung "B.Z." soll das Bezirksamt nun dem Laufhaus über drei Etagen im ehemaligen Wegert-Haus eine Absage erteilt haben: Die Baugenehmigung wurde verweigert.

Im Gebiet um die Kurfürstenstraße an der Grenze zwischen den Bezirken Mitte und Tempelhof-Schöneberg befindet sich neben der Oranienburger Straße und der Straße des 17. Juni der größte Straßenstrich Berlins. Anwohner, Ladeninhaber, Geschäftsleute sind alarmiert, seit sich die Prostituierten nicht mehr mit der hinteren Kurfürstenstraße begnügen, sondern fast schon provozierend an der belebten Ecke Potsdamer stehen, angelehnt an die Schaufensterscheiben des "LSD"-Sexkaufhauses. Jenes Gebäudes, das als "Wegert-Haus" Ende der sechziger Jahre der Umgebung geschäftlichen Aufschwung geben sollte.

Wegert zog an den Ku'damm

Es war die Zeit, als die 1930 in Berlin gegründete Fotofirma Wegert kräftig wuchs und an die spätere Insolvenz nicht zu denken war. Mit ihrem Neubau setzte sie zur Begeisterung des Bezirks und der Wirtschaftsverwaltung ein beispielhaftes Zeichen, entschärfte außerdem noch die Schmuddelecke, machte sie stadtbekannt. Das für Berlin neuartige Foto- und Elektronikkaufhaus wurde zu einer der ersten Adressen der Branche, bis Mitte der neunziger Jahre brummte der Laden. Dann aber zog es Wegert, zum Elektronikriesen geworden, an den Kurfürstendamm, das Stammhaus an der Potsdamer Straße sollte abgerissen werden, sobald ein geplanter Büroneubau genehmigt worden wäre.

Wegert wollte davon nur einen kleinen Teil nutzen, erste Pläne gingen von einem 16-stöckigen Gebäude aus, Bauverwaltung und Bezirk lehnten den Entwurf ab: Er überschreite die traditionelle Traufhöhe. Überarbeitete Pläne für ein achtstöckiges Gebäude fielen bei den Behörden auch durch. Also trennte sich Wegert von dem Haus, das stehen blieb, aber den alten Glanz verlor. Pläne des Bezirks für ein Kultur- und Medienhaus zerschlugen sich, Investoren fehlten. Läden zogen ein und aus, Büroetagen leerten sich. Das „LSD“ nutzt die zwei früheren, mit einer Rolltreppe verbundenen Großraumetagen. An den Räumen hat sich bislang nichts geändert: Es ist noch unverkennbar das alte "Wegert-Haus". (ho/Tsp)

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