Rechtsextremismus : Jusos initiieren Schülerzeitung gegen NPD-Hetze

Am kommenden Montag wird das Blatt "Platzverweis" mit einer Auflage von 40.000 Stück in Berlin vor Schulen verteilt. Die Schülerzeitung soll über die Gefahren brauner Propaganda aufklären.

Frank Jansen

BerlinDie Jusos und weitere linke Gruppen wollen die NPD mit ihren eigenen Waffen schlagen. Der rechtsextremen Agitation mit so genannten Schülerzeitungen wird nun ein buntes Blatt entgegengesetzt: Am "Platzverweis" beteiligen sich auch Jugendorganisationen von DGB, Grünen und der Partei Die Linke.

"Da die NPD immer öfter mit Jugendaktionen kommt, wollen wir gegenhalten", sagt Jan Böning, Landessekretär der Jusos und einer der Macher beim "Platzverweis". Das Heft solle in allen Bezirken und vor mindestens 100 Schulen Kindern und Jugendlichen überreicht werden. Am "Platzverweis" beteiligen sich neben den Jusos die DGB-Jugend, die Grüne Jugend Berlin, die Linksjugend Solid, Die Falken, die Stiftung SPI mit dem Mobilen Beratungsteam Ostkreuz sowie die radikal linken Gruppierungen SDAJ (Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend) und ALB (Antifaschistische Linke Berlin).

Der 18-seitige "Platzverweis" ist eine Antwort auf den Versuch der NPD vom Oktober, ein Heft namens "Stachel" an Schüler in Berlin und Brandenburg zu verteilen. Die NPD musste die Aktion abbrechen, da die Grünen, die schon lange selbst einen "Stachel" herausgeben, am Landgericht eine einstweilige Verfügung erwirkten. Die NPD präsentiert nun ihr Blatt im Internet als "Der Titellose", die Inhalte haben sich nicht geändert. Im "Platzverweis" werden den rechten Parolen, die oft harmlos oder antikapitalistisch klingen, linke Argumente und Ansichten entgegengesetzt. Und nicht nur der Parteipropaganda: Die Grüne Jugend setzt sich mit "Modesprüchen an Schulen" auseinander -"ey du Jude" ist nur einer, der als Beispiel für "unterschwelligen Antisemitismus, Rassismus oder Sexismus im Schulalltag" genannt wird.

Weitere Themen sind unter anderem die Situation im Bezirk Lichtenberg, den die Neonazi-Szene als Hochburg ansieht, die Strukturen des rechten Musikbusiness, die Modemarke "Thor Steinar" sowie Tipps, wie man sich als Augenzeuge eines rechten Angriffs verhalten sollte: "Sprecht TäterInnen offensiv an und bindet Menschen, die wegschauen, mit ein".

Auch wenn der "Platzverweis" den Härtegrad von Slogans wie "Null Toleranz für Nazis" nicht überschreitet, bereitet der SPD die Beteiligung der zum Autonomenspektrum zählenden ALB und der DKP-nahen SDAJ etwas Bauchgrimmen. "Das ist schon schwierig, aber bei diesem Projekt vertretbar", meint SPD-Landessprecher Hannes Hönemann. Für Jungsozialist Böning hingegen "ist erstmal jeder willkommen, der gegen Neonazis kämpft". Und Böning kündigt an, der erste "Platzverweis" solle nicht der letzte sein. (Tsp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar