Rente : 500 Lehrer weg – Ersatz gesucht

Jeder dritte Pädagoge ist über 55 Jahre alt. Die Pensionierungswelle erfordert tausende neue Kräfte. Eltern werden unruhig und auch der Personalrat warnt vor einer bedrohlichen Situation.

Susanne Vieth-Entus

Berlin muss sich zum Sommer auf eine erhebliche Pensionierungswelle bei den Lehrern einstellen: Die Bildungsverwaltung rechnet damit, dass – wie schon vergangenes Jahr – über 500 Lehrer gehen. Insgesamt verabschieden sich bis 2018 knapp 10.000 Lehrer in den Ruhestand: Ein knappes Drittel der gesamten Lehrerschaft muss also ausgetauscht werden. Dies belegt die aktuelle Schulstatistik.

Demnach waren im vergangenen Schuljahr nur 2,8 Prozent aller Lehrkräfte unter 35 – das entspricht knapp 800 von 28.000 Lehrern. Nicht viel besser sieht es bei den Lehrern zwischen 35 und 40 aus: Zu dieser Altersgruppe gehören nur 2400 Kräfte. Zum Vergleich: 6800 Pädagogen sind zwischen 55 und 59, weitere 2700 noch älter.

Zwar verweist die Bildungsverwaltung darauf, dass der Schülerrückgang die Lage etwas entspanne. Allerdings kommen zusätzliche Herausforderungen auf die Schulen zu wie der Ganztagsbetrieb an allen Sekundarschulen und die zunehmende Zahl von Migranten.

Die knappe Bewerberlage ist bedrohlich

Angesichts dieser Ausgangslage breitet sich unter Berlins Eltern Unruhe aus. Jüngstes Beispiel: die Wilmersdorfer Birger-Forell-Grundschule. Dort beklagen die Eltern, dass eine Klassenlehrerin auf eine Schulleiterstelle in einem anderen Bezirk befördert wurde, ohne dass Ersatz bereitstand. „Uns reicht es nicht, längerfristige politische Probleme zu benennen oder wie Herr Zöllner darüber nachzudenken – unsere Kinder brauchen am 9.2.09 eine qualifizierte Lehrerin!“, heißt es in einem wütenden Brief der Eltern.

Die Bildungsverwaltung bestätigte am Dienstag, dass die Stelle tatsächlich noch nicht besetzt sei. Allerdings habe man eine gute Kraft in Aussicht. Dass sie nicht gleich nach den Winterferien anfangen kann, hängt nach Informationen des Tagesspiegels damit zusammen, dass der Personalrat nicht vorschriftsmäßig eingebunden war. Jetzt geht die Bildungsverwaltung davon aus, dass das Problem Mitte Februar gelöst ist.

Als „zunehmend bedrohlich“ bezeichnet Jürgen Schulte die knappe Bewerberlage. Der zweite Vorsitzende des Gesamtpersonalrates erinnert daran, dass schon zu diesem Halbjahr die Auswahl dünn war: Nicht alle 165 offenen Stellen konnten bei den „Castings“ besetzt werden. Zudem sei diese Stellenzahl an sich schon nicht ausreichend gewesen: „Die Schulen schließen zurzeit händeringend einen Fristvertrag nach dem anderen ab“, berichtet Schulte. Angesichts der Abwerbungen aus den anderen Bundesländern hält er es für „schwachsinnig“, dass Berlin nicht mehr verbeamtet. Im Alleingang sei so ein Schritt nicht möglich. Außer Berlin verzichten nur Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg auf die Verbeamtung. Anders als Schwerin übernimmt Berlin aber Lehrer, die in anderen Bundesländern verbeamtet wurden: Viele Schulleiter hoffen inzwischen auf diese Rückkehrer aus Hamburg oder Niedersachsen. 

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