Schüler-Protest : Ohne Internet geht gar nichts

Berliner Schüler gehen immer häufiger für die Bildung auf die Straße – und organisieren ihren Protest online. Wie jetzt im Streit um die Wiederholung der Mathe-Klausur.

Stephanie Walter
Protest
5000 Schüler protestierten am Montag gegen die Wiederholung des Mathe-Tests. -Foto: Davids

„Wir kamen nach Hause und haben erfahren, dass wir die Matheprüfung noch einmal schreiben sollen. Da haben wir beschlossen: Wir tun was dagegen“, erinnert sich der 16-jährige Heiko. Der Zehntklässler hatte mit seinem Freund Florian vor einer Woche die Idee, gegen die Wiederholung der Prüfung auf die Straße zu gehen. Kurzerhand erstellte Florian eine Homepage. Die Seite informiert nun über die nächsten geplanten Schritte. „Innerhalb der ersten acht Stunden haben 9000 Leute die Internetseite besucht“, sagt Heiko. „Mit so einem Echo haben wir nicht gerechnet.“

Kay Dennis Cholewinski war einer davon. „Durch die Chatmail eines Freundes bin ich auf die Seite gestoßen und habe dann meine Unterstützung angeboten“, erzählt er. Weil er schon 18 ist, hat er die Leitung der Demonstration übernommen. Die Schüler haben sich dann das erste Mal auf der Demonstration vor dem Roten Rathaus gesehen – alle Absprachen im Vorfeld regelten sie telefonisch oder per Internet, etwa über das Netzwerk „Schüler VZ“. Und auch die Vorbereitungen der für Donnerstag um 14 Uhr geplanten Demonstration treffen sie telefonisch. „Für persönliche Treffen hätte ich gar keine Zeit“, sagt Kay Dennis.

Unterstützt werden sie dabei auch durch den Landesschülerausschuss (LSA). „Es ist erstaunlich, wie das in kürzester Zeit sonst eher passive Leute organisiert haben“, ist LSA-Vorsitzender Max Wolter überrascht. „Ohne E-Mail wäre es gar nicht möglich gewesen, so schnell unter unseren Mitgliedern abzustimmen, ob wir das unterstützen.“ Auch Lee Hielscher von der „SchülerInnen-Initiative Bildungsblockaden einreißen!“ sagt: „Es ist spannend, wie schnell sich durch das Internet heute etwas entwickeln kann.“ Er ist schon lange in der Schülervertretung aktiv. „Es gibt Schülervertretungen, die stellen ihre Informationen nun als Podcast ins Internet.“ Er glaubt, dass die Gremienarbeit dadurch auch für Schüler attraktiver wird. „Schülervertretung war für viele lange Zeit ein langweiliger Club. Das Internet bietet jetzt viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren und sich aktuell auszudrücken. Für Schulradio fehlt den meisten Schulen die technische Voraussetzung.“

Kay Dennis Cholewinski ist unterdessen auch die negative Seite bewusst: „Man weiß nie genau, wie viele man erreicht.“ Wie sein Mitstreiter Christoph Walter aus Reinickendorf hofft er für den erneuten Protest gegen den Mathetest am morgigen Donnerstag auf noch mehr Teilnehmer. Stephanie Walter

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