Schule : Zöllner will die Hauptschule abschaffen

Um dem zersplitterten Bildungswesen Berlins entgegenzuwirken strebt Bildungssenator Jürgen Zöllner eine integrierte Haupt- und Realschule, sowie Praxisabschnitte in den 9. und 10. Klassen an. Die Linke will dagegen am alten Modell festhalten.

Zöllner
Nie ohne Stoppelbart und Fliege: Bildungssenator Jürgen Zöllner. -Foto: Mike Wolff

BerlinFür die geplante Weiterentwicklung der Berliner Schulstruktur will Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) eine möglichst breite gesellschaftliche Akzeptanz erreichen. Wie Zöllner am Mittwoch bei der Vorstellung der ersten Eckpunkte sagte, solle die Diskussion dazu "unter Einbeziehung aller Betroffenen und Entscheidungsträger erfolgen". Nach einem Beschluss des Abgeordnetenhauses muss Zöllners Verwaltung bis Jahresende entsprechende Vorschläge erarbeiten. Die Linkspartei als Koalitionspartner erhebt nach Medienberichten bereits Einspruch gegen Teile von Zöllners Vorstellungen.

Dem Eckpunkte-Papier des Senators zufolge soll der starken Zersplitterung des Berliner Schulwesens entgegen gewirkt und in einem ersten Schritt ab 2010/2011 eine integrierte Haupt- und Realschule geschaffen werden. Damit könne vor allem "die Abhängigkeit des Lernerfolges vom sozialen Hintergrund reduziert werden", sagte Zöllner. Gerade diese Entwicklung sei in den ausschließlich als Hauptschulen geführten Bildungseinrichtungen auszumachen. Mehr und mehr Eltern und Schüler wendeten sich von dieser Schulart ab. Die Linke will dagegen am Modell der Hauptschule festhalten.

Schrittweise Einführung der Ganztagsschule

Die Vorschläge zur Weiterentwicklung der Schulstruktur werden in einer eigens gegründeten Arbeitsgruppe innerhalb der Senatsbildungsverwaltung erarbeitet. Sie sehen weiterhin die schrittweise Einführung der Ganztagsschule "in gebundener Form" vor. Auch Gymnasien könnten den Ideen zufolge künftig Ganztagsangebote haben. Das sogenannte duale Lernen sieht für Schüler der 9. und 10. Klasse Praxisabschnitte vor. "Im Arbeitsalltag gesammelte Erfahrungen und Motivationen tragen zu mehr Lust am Lernen bei", hofft Zöllner.

Insgesamt erwartet die Bildungsverwaltung von den Eckpunkten eine größere Durchlässigkeit des Bildungssystems. Schülerinnen und Schüler könnten länger gemeinsam lernen, das Sitzenbleiben werde abgeschafft. Zusätzlich würden Kitas und Grundschulen enger verzahnt. Fernziel sei ein System aus zwei Schulformen: Gymnasien und die regionale Schule, welche laut Zöllner "Möglichkeiten und Innovationen aus Gesamt- und Gemeinschaftsschule vereinigt". Jede neue Schulstruktur müsse aber schrittweise weiterentwickelt werden und "vom Elternwillen" geprägt sein. (nal/ddp)

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