Schulpanne : Umstrittene Mathe-Prüfung landet vor Gericht

Die Wiederholung einer Klausur im Fach Mathematik für 28.000 Schüler in Berlin beschäftigt nun das Berliner Verwaltungsgericht. Eine Schülerin hat juristische Schritte eingleitet.

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"Schreibt doch selber": Berliner Schüler sind sauer auf die Bildungsverwaltung. -Foto: ddp

BerlinAm Montag habe eine Schülerin durch ihre Rechtsanwältin einen Eilantrag gestellt, den Test nicht schreiben zu müssen, sagte Gerichtssprecher Stephan Groscurth am Dienstag. Anlass des Streits ist eine Panne, bei der Klausuraufgaben für Zehntklässler in etwa 60 von 346 beteiligten Schulen bereits vor den Prüfungen in die Hände von Schülern geraten waren. Die 28.000 Schüler sollen die Prüfung deshalb am kommenden Montag wiederholen. Mit einer Entscheidung des Gerichts wird spätestens am Freitag gerechnet.

Demos gegen Wiederholung

Der Zorn über eine erneute Prüfung entlud sich auch am Montag vor dem Roten Rathaus. Rund 3000 Berliner Zehntklässler kamen zu der Protestaktion. Ausgerüstet mit Megafonen skandierten sie lautstark "Keine Wiederholung" und "MSA nicht nochmal". Viele Schüler führten Transparente mit Aufschriften wie "Fehler des Senats - wir müssen büßen" oder "sucht die wahren Schuldigen" mit sich. Die Stimmung war zwar aufgeheizt, laut Polizei gab es aber "keine dramatischen Zwischenfälle".

Die Schüler sind sich sicher, dass Schlamperei in der Bildungsverwaltung die Ursache ist. Sie forderten deshalb auf der Demonstration sogar den Rücktritt von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Ein Mitglied des Landesschülerausschusses sagte, dass die nicht versiegelten Aufgaben aus Kostengründen zusammen mit anderen Unterlagen geliefert worden seien. Das Paket, das zu groß für die Schultresore gewesen war, sei an vielen Schulen in frei zugänglichen Räumen verstaut worden.

Von einem Polizeiauto aus musste das Demo-Organisationsteam um den 18-jährigen Kay-Dennis Cholewinski die aufgebrachte Menge über Lautsprecher zur Ordnung rufen. Trotzdem warfen Schüler immer wieder Plastikflaschen, Stifte und andere Gegenstände. Zwischenzeitlich zerbarsten Eier auf der Windschutzscheibe eines Einsatzwagens. Die Polizei sicherte die Demonstration mit 80 Beamten. Besondere Kontrollen wurden nicht vorgenommen, obwohl Jugendliche im Internet dazu aufgerufen hatten, bewaffnet zur Kundgebung zu erscheinen. Die Polizei habe dies im Hinterkopf behalten, sagte eine Sprecherin.

GEW: "Der Ehrliche darf nicht der Dumme sein"

Unterstützung erhielten die Schüler von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sprecher Peter Sinram, selbst Lehrer an einer Tempelhofer Schule, rief: "Der Ehrliche darf nicht der Dumme sein." Er erntete dafür viel Applaus von den Schülern. Nach Sinrams Vorschlag soll statt der Klausurnote ausnahmsweise die schon vorhandene Jahrgangsnote im Abschlusszeugnis stehen. Das Organisationsteam forderte indes, dass überhaupt keine Mathe-Note ins Ergebnis einfließen dürfe.

Der Senat will an der Wiederholung nicht rütteln. Nur so seien faire Bedingungen gewährleistet, hieß es in einer Reaktion der Verwaltung, die Cholewinski - begleitet von einem Pfeifkonzert - verlas. Nach Abschluss der Kundgebung überreichte Organisationsleiter Cholewinski rund 750 Unterschriften von Schülern, die die Wiederholungsprüfung nicht mitschreiben wollen, an einen Vertreter der Bildungsverwaltung. (imo/dpa/ddp)

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