Schulreform : Haupt- und Realschule ade: Zöllner lässt viele Fragen offen

Landesregierung will bis zum Jahr 2013 nur noch zwei Schultypen zulassen Opposition und Linke vermissen konkrete Vorgaben und ein Finanzkonzept

Lars von Törne
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In welcher Schulform auch immer, die Kreide liegt bereit. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

BerlinEs ist ein ehrgeiziges Vorhaben, dem sogar mancher Oppositionspolitiker Anerkennung zollt. Allerdings blieben auch nach der Senatssitzung am gestrigen Dienstag noch viele wichtige Fragen zur von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) entwickelten Reform der Berliner Schulstruktur unbeantwortet - zu viele, kritisierte nicht nur die Opposition, sondern auch die Linke. So mischten sich Lob für und Kritik an Zöllners Reformvorlage, der gestern der Senat zustimmte und die nun das Abgeordnetenhaus verabschieden muss.

Zöllner will, wie gestern vorab berichtet, Berlins Schulstruktur in den kommenden fünf Jahren grundlegend ändern. Voraussichtlich ab dem Jahr 2014 wird es in der Stadt keine Haupt- und Realschulen mehr geben. Stattdessen müssen sich Schüler, Eltern und Lehrer an einen neuen Begriff gewöhnen: Ab 2010/11 soll schrittweise die "integrative Sekundarschule" eingeführt werden. Sie soll Haupt-, Real- und Gesamtschulen verbinden und die Schüler bei verbesserter individueller Förderung bis zum Abitur führen können. Sekundarschule und Gymnasium sollen spätestens zum Schuljahr 2013/14 die einzigen Schulformen in der Stadt sein. Die Reform hat das Ziel, mehr Schülern zu dem jeweils bestmöglichen Schulabschluss zu verhelfen, sagte Zöllner nach der Senatssitzung.

Lob auch von den Grünen

Viel Lob erhielt der Senator nicht nur vom Koalitionspartner Linke, sondern auch von den Grünen, deren Anregungen das Reformkonzept mitgeprägt haben. "Ein neues Schulsystem mit zwei gleichberechtigten Schulformen garantiert längeres gemeinsames Lernen und mehr individuelle Förderung", sagte Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus.

Die neue Schulstruktur werde sich aber am Ziel des Senats messen lassen müssen, ob es gelingt, mehr Schülern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft zum Erfolg zu verhelfen. "Rot-Rot muss neben einer guten Personalausstattung auch dafür sorgen, dass dieser neue Schultyp die materielle und räumliche Ausstattung erhält, die nötig ist, um alle Schüler zu fördern", sagte Mutlu.

Wie diese von Zöllner angekündigte bessere individuelle Förderung konkret aussehen soll, blieb gestern unklar - wie manch andere Frage, die der Senator ausweichend beantwortete. So kündigte er zwar an, dass der Zugang zum Gymnasium strenger geregelt werden soll und weniger von der sozialen Herkunft der Schüler geprägt sein soll. Wie dies konkret erreicht werden kann, will Zöllner aber erst mit den Schulen und anderen Betroffenen diskutieren. Auch Fragen wie die Klassenfrequenz an Schulen in problematischen Stadtvierteln will der Senator sowohl mit den Schulen als auch im Zuge der Haushaltsplanung des Senats zunächst noch diskutieren.

Hauptschüler könnten noch schlechter betreut werden

Dies missfällt nicht nur der Opposition. Auch der bildungspolitische Sprecher der Linken, Steffen Zillich, bemängelt: "Der Senatsvorschlag trifft keine belastbaren Aussagen über die Finanzierung der Schulreform." Zillich sieht allerdings in Zöllners Konzept auch eine Vorbereitung auf das Ziel der Linken, langfristig auch das Gymnasium abzuschaffen und nur noch eine Gemeinschaftsschule für alle Schüler anzubieten.

Die CDU lobte Zöllners Absicht, Kitas und Grundschulen enger zusammen arbeiten zu lassen und die Gymnasien zu erhalten. Die Sekundarschule lehnt die Union jedoch als "ideenloses Neben einandersetzen von Kindern" ab. Die FDP bezweifelt, dass die Reform ausreichend finanziert ist und fordert mehr Wahlfreiheit für Schulen, Eltern und Lehrer.

Landeselternsprecher André Schindler befürchtet, dass die bisherigen Hauptschüler schlechter als bisher betreut werden. Auch sieht er die Gefahr, dass durch eine strengere Auswahl der Gymnasien weniger Schüler den Aufstieg zum Abitur schaffen, auch wenn sie anfangs keine Gymnasialempfehlung hatten.

Siehe auch Leitartikel

Die Reform im Internet: www.berlin.de/sen/bildung/bildungspolitik

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